Schlagwort: Elberfeld

Die Elberfelder Barrikade im Kladderadatsch

Am 20. Mai 1849 erschien in der Satirezeitschrift Kladderadatsch eine Karikatur zum Elberfelder Aufstand mit den folgen Zeilen:

„In Elberfeld haben viele tausend Mann
auf die Reichsverfassung geschworen.
Der Tanz geht los! Der Feind rückt an!
Die Preußen stehn vor den Thoren!

In Elberfeld giebt’s harten Strauß,
und Prügel giebts nach Noten;
Die Preußen ziehn zur Stadt hinaus
Mit fünf drei Viertel Todten.

In Elberfeld geht’s lustig her:
Die Rheinischen Lazzaroni
Bau’n Barrikaden von Golde schwer,
von Silber und von Mahagoni.

Und all die blanke Herrlichkeit,
Bildsäulen, Spiegel und Lüstre,
Die liefert Herr Daniel von der Heydt
Der Bruder vom Handelsminister

Herr Daniel rauft sich das Haar und heult:
‚Weh! Wollt ihr mich denn nicht schonen?
ich habe ja an die Rebellen vertheilt
Schon an die tausend Patronen!‘

Da kömmt ein Proletarier her
und bietet ihm eine Prise
‚Wenn Ihr Bruder nur kein Minister wär‘!
Und wenn er nicht August hieße!!'“

 150 Jahre später weihte man am Ort der Barrikade eine Gedenktafel ein.

Tariff Trippers im Wuppertal: William Queen

William Queen aus Edinburgh war Distriktfunktionär der Fuhrleute-Gewerkschaft, Ex-Sozialist und 1910 Teil der „tariff trippers“, die Elberfeld und Barmen besuchten. Er schrieb zur Schwebebahn:

„[…]In Elberfeld war ich äußerst fasziniert von der Schwebebahn; die einzige dieser Art, die ich je gesehen habe. Bei dieser Bahn fahren die Wagen durch die Luft, aufgehängt an einem Einschienensystem. Ein anderer bemerkenswerter Aspekt in Verbindung damit ist die Tatsache, daß der Raum über dem Wasserlauf für den Zweck dieser Bahn genutzt worden war. Auf diese Weise wurde eine hohe Finanzaufwendung vermieden, die durch den Ankauf von Bodenflächen, den Abriß von Häusern, die Konstruktion von Brücken etc. entstanden wäre, wenn man die Bahn auf Mutter Erde hätte fahren lassen.[…].“

entnommen aus: Jürgen Reulecke, Bergische Miniaturen. Geschichte und Erfahrungen, hrsg. von Stephen Pielhoff, Essen 2010, S.237. 

In den Jahren 1846/47, also vor der Märzrevolution 1848, besuchte der englische Nationalökonom Thomas C.Banfield Deutschland und machte auch im Bergischen Land Station. Ein Auszug:

„Nähert sich der Reisende Elberfeld, dem Standort der Seiden- und Baumwollgewerbe, so bietet das Landschaftsbild völlig andere Züge als die benachbarte Grafschaft Mark, die wir gerade hinter uns gelassen haben. Hübsche Bauernhäuser mit kleinen Länderein füllen das ziemlich enge Tal. […] Die Fabriken werden fast ausnahmslos von Wasserkraft angetrieben. Sie sind daher folgerichtig entlang der Wupper, ihrem Gefälle entsprechend, angelegt. Zwischen ihnen stehen, oft ein oder zwei Meilen von der Fabrik entfernt, die Bauernhäuser. […]
Man muss gestehen, dass eine Arbeiterbevölkerung, die so verstreut auf dem Lande wohnt, einen erfreulichen Kontrast zu dem Anblick der schäbigen Siedlungen bietet, die am Eingang unserer [englischen, Anm.] Industriestädte anzutreffen sind.[…] Wir haben allerdings Zweifel, in der Hinsicht, dass der englische Arbeiter mit dem deutschen tauschen würde, wie idyllisch dem Fremden auch sein Wohnen erscheinen mag. „

Entnommen aus: Gerhard Huck/ Jürgen Reulecke: …und reges Leben ist überall sichtbar. Reisen im Bergischen Land um 1800. (Bergische Forschungen XV), Nuestadt/Aisch, 1978, S.228.

Ein französischer Adliger, der nach der französischen Revolution emigrierte und dann nach Elberfeld kam, weil ihm Düsseldorf zu unsicher geworden war, da die Franzosen das linke Rheinufer 1794 besetzten, schrieb in seinem sog. Neunten Brief:

Elberfeld muß damals [Anm.: bei Erhalt der Stadtrechte 1610] unstreitig Mauern und Thore gehabt haben; denn viele unter den noch jezt lebenden Bürgern, haben selbst noch ein Thor unter dem Namen Morianspforte gekennt, welche vor ohngefähr fünf und zwanzig Jahren erst ganz abgebrochen ist. […] Ein anderes Thor, die Feldpforte genennt, stand in der Gegend des Merkerbachs, und eine Straße ab demselben Wasser führt noch jezt den Namen, auf dem Walle.“

entnommen aus: Jürgen Reulecke, Bergische Miniaturen. Geschichte und Erfahrungen, hrsg. von Stephen Pielhoff, Essen 2010.

Ein französischer Emigrant in Elberfeld

1792/1793 schrieb ein französischer Emigrant:

„Vom Wielerhäuschen (diesen Namen führen einige Wirtshäuser und Bauernwohnungen) bis Elberfels, geht der Weg durch einen Wald, und sobals man aus diesem, den letzten Berg hinunterkommt, so erblickt man die Stadt in einem Thale, an und durch welches der so wohltätige Wupperstrom (eigentlich Wipper) hinfließt. Wer vorher die Menge der Häuser und die drei Kirchtürme nicht bemrkt hat, der glaubt in ein prächjtiges Dorf zu kommen. Denn die Stadt hat weder Mauern noch Thore. […]
Elberfeld, wo ich mich nun schon geraume Zeit aufgehalten habe, ist eine Stadt von ohngefähr 1100 Häusern, zwischen Bergen versenkt und größtentheils sehr gut bebauet. Sie scheint durch den beständigen Zug von Luft, den die Berge verursachen, ziemlich gesund zu seyn, und ist der Mittelpunkt der Fabriken und Manufakturen der beiden Herzogthümer Berg und Jülich.“

entnommen aus: Jürgen Reulecke, Bergische Miniaturen. Geschichte und Erfahrungen, hrsg. von Stephen Pielhoff, Essen 2010.

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