Schlagwort: Elberfeld

Namentliches Verzeichniß aller jetzt fungierenden Herren, Ober-Bürgermeister, Beigeordneten und Stadträthe

StA W E I 54

Entnommen aus: Tania Ünlüdag, Historische Texte aus dem Wupperthale. Quellen zur Sozialgeschichte des 19. Jahrhunderts, Wuppertal 1989.

Zur besseren Lesbarkeit wurde die Angaben zum Wohnort weggelassen, da diese zur aus Buchstabe und Zahl bestehen, sowie Angaben zur Verwandschaftsverhältnissen und Bildung und Geschäftskenntniß

6.9.1833, handschriftlich


Rütger Brüning, Ober=Bürgermeister, [Alter]58 , reformiert, ohne Gewerbe

Friedr. Carl Schönian, 1. Beigeordneter, 44, lutherisch, Buchhändler, delegierter Präses der Bau=Commission, und Rechnungsführer der Gewerbeschule, auch Mitglied der Rathhausbau=Commission

Wilhelm Trabert, 2. Beigeordneter, 54, lutherisch, Kaufmann, Direktor der Sparkasse, und Vorsitzender der Classensteuer-Umlage

Carl Feldhoff, 3. Beigeordneter, 36, lutherisch, Kaufmann, Gutsbesitzer und Landwehr-Lieutnant, alternirenden Präses der Verwaltung der Central=Wohlthätigkeits=Anstalt, stellvertretender Kreistagsabgeordneter und delegirter Chef der Nachtswache

Peter Boeddinghaus, 4. Beigeordneter, 45, lutherisch, Fabrikbesitzer, Delegirter Beamter des Civilstandes

A. älterer Theil des Stadtraths

Abraham Peter von Carnap, Stadtrath, 68, reformiert, Gutsbesitzer, Sect. C und des Kirchspiel Kreisdeputierter und Steuer=Umleger

Jakob Platzhoff, Stadtrath, 62, reformiert, Gutsbesitzer und Fabrikant, Sect. D. Mitglied der Schulcommission, und der Rathhaus=Baucommission

Johann Wilhelm Blank, Stadtrath, 60, reformiert, Fabrikant, Sect. A Fabrik=, Kaufmanns= und Bürgerstand, auch stellvertretender Kreistagsabgeordneter

David Bönhoff, Stadtrath, 57, lutherisch, ohne Geschäft, Mitadministrator der Sparkasse, und Steuer=Umleger, auch Mitglied der Rathhausbau=Commission

Samuel Lucas, Stadtrath, 53, lutherisch, Buchdrucker, Buchbinder und Papierhändler, Mitadministrator der Sparkasse

Johann Peter Hermes, Stadtrath, 37, reformiert, Bierbrauer und Gutsbesitzer, Sect. C, Handwerksstand und das Kirchspiel

Karl August Krall, Stadtrath, 37, reformiert, Gold- und Silberarbeiter, Sect. C., Handwerks- und Gewerbestand

Johann Abraham Hecker, Stadtrath, 63, reformiert, Fabrikant in baumwollenen Waaren, Steuer=Umleger, Kirchspiel links der Wupper vertretend

Johann Abraham Bertram, Stadtrath, 55, reformiert, Gutsbesitzer, Kirchspiel rechts der Wupper

B. jüngerer Theil des Stadtraths

Peter Conrad Peill., Stadtrath, 56, reformiert, Kaufmann und Spinnereibesitzer, Kaufmann und Spinnereibesitzer, Fabrikstand, früher Beigeordneter und bewandert in den Lokal=Angelegenheiten

Johann Conrad Duncklenberg, Stadtrath, 55, reformiert, Kaufmann und Färbereibesitzer, Sect. A. Fabrik=, Kaufmanns= und Bürgerstand auch Mitglied der Rathhaus-Baucommission

Friedrich Platzhoff, Stadtrath, 41, reformiert, Kaufmann und Färbereibesitzer, Mitglied der Schul=Commission und Steuer=Umleger

Wilhelm Wortmann, Stadtrath, 35, reformiert, Kaufmann, Sekretär des stadträthlichen Collegiums und Steuer=Umleger

Johann Christoph Hecker, Stadtrath, 68, lutherisch, Färbereibesitzer, Sect. S., den Stand der Handwerker vertretend

Winand Simons, Stadtrath, 53, reformiert, Kaufmann und Fabrikbesitzer, Sect. F. vertritt seine Mitbürger von allen Ständen

August von der Heydt, Stadtrath, 32, reformiert, Banquier, Sect. C. Mitglied der Schul=Commissio. Widmet dem Allgemeinen eine große Theilnahme

August De Weerth, Stadtrath, 28, reformiert, Rentner, ist mit den Verhältnissen vieler seiner Mitbürger bekannt, Mitglied der Bau=Commission des Rathhauses

Wilhelm Köter, Stadtrath, 45, reformiert, Färbereibesitzer, besitzt eine genaue Kunde seiner Mitbürger, und vertritt zugleich den geringen Bürgerstand.

Heinrich Scheper, Stadtrath, 37, katholisch, Tabackfabrikant, Präsident des katholischen Kirchenraths, die Einwohner der katholischen Gemeinde vertretend

Caspar Davis Wolff, Stadtrath, 50, lutherisch, Kaufmann und Fabrikbesitzer, Sect. A. Handels= und Handwerksstand

Bedingungen für den Erwerb des Bürgerrechts in Elberfeld 1799

Bedingungen für den Erwerb des Bürgerrechts in Elberfeld

StA W D II 28

Entnommen aus: Tania Ünlüdag, Historische Texte aus dem Wupperthale. Quellen zur Sozialgeschichte des 19. Jahrhunderts, Wuppertal 1989.

16.10.1799 handschriftlich


Vorschriften, welche bey Erwerbung des Bürgerrechts in Elberfeld befolgt werden müssen.

Jeder Nichteingebohrne der das Bürgerrecht erwerben will, muß , A. ein ehrlicher, rechtschaffener Mann seyn – um dieseszu bescheinigen, ist Erforderderlich, daß er

a. einen Taufschein
b. ein Zeugnis von seiner Obrigkeit über seine bisherige gute, rechtschaffene Aufführung-und endich
c. wann er ein Geheyratheter ist, einen Kopulationsschein – beibringen muß.

Ferner muß er

B. das Vermögen haben, ein aktiver, d.h. Lasttragender Bürger zu seyn. Um dieses überzeugend bescheinigen zu können, muß er beweisen, daß er

a. ein Vermögen von 2 bis 300 Gulden besitzt, oder einen Bürgen beibringen, welcher sich für eine solche Summe die im äußersten Falle angegriffen werden kann, verbürgt, ferner daß
b. ein ordentliches anständiges bürgerliches Gewerbe zu treiben und damit sich und die Seinigen zu ernähren im Stande ist.

Sollte endlich

C. ein Fremdling jenen Vermögensbetrag [teilweise] oder gantz [nicht] bescheinigen‘, noch eine Kaution dafür anweisen können; so kann derselbe als wircklicher Bürger nicht angenommen werden. Würde er aber =
a. die unter A.) festgesetzte Erfordernißen beybringen, und
b. beweisen, daß er eine Zeitlang treu und fleißig in einer Profeßion hier gearbeitet hat, so kann derselbe nur angenommen werden als Beysaße.

Ausser diesen Erfordernißen ist nicht nur jeder Erwerbende schuldig, das herkömmliche Bürgergeld sofort zu erlegen, sondern er muß auch versicheren, gleich zwey BrandEymern anzuschaffen so dann an Eydes statt versicheren folgende

Huldigung

Ich gelobe und versichere an Eydes statt, daß ich den Durchlauchtigsten Churfürsten Maximilian Joseph, Seiner Herzoglichen Durchlaucht Wilhelm von Beyern Höchstdero Linien und des Regierenden Erstgebohrnen als dem wahren Landes Herren, den Landes Regierungen und dem hiesigen Magistrat jederzeit will treu und gehorsam seyn, auch mich bemühen will, des Landes sowie der Stadt Bestes aus allen Kräften zu beförderen, und alles Schädliche und Nachtheilige zu verhüten so wahr mir Gott hilft und sein Evangelium.

Übrigens ist niemand von diesen Erfordernißen befreiet, es wäre dann jemand

-1. ein Churfürstlicher Beamter, oder
-2. eine zu sonstigen öffentlichen Geschäften patentisirte Persohn- oder
-3. ein privatisirender, kein bürgerliches Gewerb und Geschäft treibender Gelehrter
oder
-4. ein öffentlicher Lehrer in Künsten und Wissenschaften – oder endlich
-5. ein wirklicher praktischer Künstler –

Alle diese sind zwar von aktiver Gewinnung der Bürgerrechte ausgenommen, jedoch die unter No. 3. 4. und 5. genannte Personen schuldig ihre Niederlaßung dahier dem Magistrate anzuzeigen auch sich, woferne sie nicht würklich schon als solche bekannt sind, auf die unter A, bestimmte Art zu legimitiren.

Abschrift

Hiesiger Landes Regierung ist der Verhalt wegen des beim Magistrat zu Elberfeld von den Catholischen Religions Verwandten, daselbst nachzusuchenden Bürgerrechts umständlich vorgetragen worden – Da nun dieselbe darauf verordnet hat, daß ohne Unterschied der Religion, wenn sonst kein erheblicher Anstand vorwaltet, jene, welche sich und die Ihrige ehrbar zu ernähren im Stande sind, das Bürgerrecht zu erwerben schuldig; daß hingegen jene, welche geringen Vermögens sind, sich gleichwohl mit HandArbeit ein oder zwey Jahre ehrlich ernährt haben, und etwa aus Drang der Zeiten oder sonstige Unglücksfällen arm geworden, als Beysaßen zu dulden seyen; daß sodann für Erwerbung des Bürgerrechts die hergebrachte Gebühr von 3 Reichstaler für Annahme eines Beisaßen aber 1 Reichstaler entrichtet werden solle; daß demnach gemeldter Magistrat dem gemäß künftig die Catholischen zur Annahme als Bürger und Beisaßen anweisen möge, derselbe aber wegen der sich eingeschlichen habenden, keinen gewissen Nahrungsstand angeben könnenden, und ferner sich einschleichender Fremden auf die diesertwegen bestehenden Edikten ohne Unterschied der Religion strenge halten solle;
So wird ihm ein und anderes in Antwort seiner Berichten vom 25ten Jenner und 6ten Julius dieses Jahrs zur gemäßen Nachachtung mit den Zusatz unverhalten, daß der Richter Amts Elberfeld dessen zu Verbescheidung der Catholischen Gemeine benachrichtiget worden. Düsseldorff den 16ten Oktober 1799

Von Landes Regierungs wegen
Freiherr von Pfeil
Schulten
An Magistrat zu Elberfeld
Eingelangt Elberfeld den 23ten Oktober 1799

Ortsbeschreibung Elberfelds 1863

Entnommen aus: Carl Coutelle, Ortsbeschreibung von Elberfeld, in: Elberfeld und Barmen. Beschreibung und Geschichte dieser Doppelstadt des Wupperthals, nebst besonderer Darstellung ihrer Industrie, einem Ueberblick der Bergischen Landesgeschichte ec. herausgegeben von Wilhelm Langewiesche, Barmen 1863.
Zum Volltext

Zur besseren Orientierung sind die Kopfzeilen des Textes als Zwischenüberschriften beibehalten worden.

1863


II. Ortsbeschreibung von Elberfeld. Von Carl Coutelle, weil. Stadt-Verwaltungssecretär in Elberfeld (Der Herr Verfasser ist fast unmittelbar nach Vollendung dieser Arbeit gestorben.) [aus dem Inhaltsverzeichnis]

II. Ortsbeschreibung von Elberfeld.

Die Stadt Elberfeld bildet mit dem sie umgebenden ländlichen Bezirke eine Gemeinde, die nach Norden an die Gemeinde Hardenberg, nach Süden an die Gemeinden Ronsdorf und Kronenberg, nach Westen an die Gemeinden Sonnborn und Oberdüssel und nach Osten an die Gemeinden Gennebreck (Regierungsbezirk Arnsberg) und Barmen gränzt.

Der Flächeninhalt der Gemeinde Elberfeld beträgt 11,140 Morgen 3 Ruthen 10 Fuß, wovon 964 Morgen 22 Ruthen 20 Fuß auf das eigentliche Stadtgebiet fallen, welches sich im Wupperthale auf die Länge von ungefähr einer halben Stunde, nämlich vom sogenannten Haspel bis zum Brill, in der Richtung von Osten nach Westen ausdehnt. Der Thurm der reformirten Kirche in Elberfeld hat 51° 15′ 24″ 2″ geographische Breite und 4° 49′ 38″ 5′“ länge östl. von Paris *), und der Sockel des Rathhauses liegt 462,47 Fuß über dem Spiegel der Nordsee.

*) Nach genauen Berechnungen des verstorbenen Dr. Pottgießer

Am Schlusse des Jahres 1861 betrug die Anzahl der Gebäude, und zwar:

1) Oeffentliche Gebäude aller Art:
59, wovon 12 im Landbezirk
2) Wohnhäuser
3472, wovon 857 im Landbezirk.
3) Fabrikgebäude, Ställe, Scheunen und Schoppen
715, wovon 405 im Landbezirk.
Summa 4246

Elberfelder Bevölkerung. Elberfelder Wupper.

Die Bevölkerung zählte Ende Dezember 1861 überhaupt 56,293 Köpfe, wovon 43,707 auf die eigentliche Stadt fallen. Von der Elberfelder Bevölkerung Gesammtzahl sind 28,113 männlichen, 28,180 weiblichen Geschlechts. Dem Lebensalter nach zählen 20,232 zwischen 1 Tag und 16 Jahren incl., 32,966 zwischen 16 und 60 Jahren, 3095 über 60 Jahre.

Nach den Confessionen betrug die Bevölkerung: Evangelische 43,719, Katholiken 11,940, Dissidenten (einschließlich der sich von der Landeskirche getrennt haltenden Lutheraner) 370, Menoniten 5, Juden 259. Auf jedes Haus kommen nach Obigen durchschnittlich 16 Einwohner.

Elberfeld trägt ganz das Gepräge einer nicht eben alten Stadt, die sich nach und nach vergrößert und modernisirt hat. Die vielen engen Straßen neben andern, die durch ihre Breite und ihr wohlgefälliges Aussehen einladen, sowie die Masse von Häusern von alter, ordinärer Bauart, mit Schiefern bekleidet, gegenüber einer eben so großen Anzahl geschmackvoller, meist in Bruchsteinen aufgeführten Häuser der neueren Zeit, bekunden dies. Für das Straßenpflaster und für Abzugskanäle an den Straßen ist durchweg gut gesorgt, wenngleich hinsichtlich des Wasserabflusses und der Trottoirs in den engern Straßen noch Manches zu wünschen ist und zu wünschen bleibt, bis es einmal möglich sein wird, diesen Straßen eine Erbreitung zu verschaffen.

* * *

Wenn es dem Leser gefällig ist, so wollen wir nun die Stadt und deren Umgebung etwas näher besehen.

Nehmen wir unsern Weg von der Haspeler Wupperbrücke aus, die, wie schon im vorigen Abschnitt erwähnt, auf der Gränze zwischen Elberfeld und Barmen liegt und noch der letztgedachten Gemeinde angehört; widmen wir aber, bevor wir die Brücke verlassen, zuvörderst der vor unsern Augen liegenden Wupper selbst noch einige Worte.

Ihr Wasser hat schon hier, beim Eintritt in Elberfeld, gewöhnlich seine frische Naturfarbe längst verloren. In unserer Stadt aber muß es noch gar viele unsaubere Angriffe der Industrie und des bürgerlichen Lebens sich gefallen lassen; namentlich werden ihm noch die Abgänge aus zahlreichen Färbereien zugeführt, und wird es auch zum Betriebe verschiedener Wäschereien etc. benutzt.

Die Wupper bat auf dem Gebiete von Elberfeld mit ihren vielen Krümmungen eine Länge von 1460 Ruthen und eine durchschnittliche Breite von 80 Fuß rhein. Ihr Wasserstand wechselt an dem Pegel auf dem rechten Ufer oberhalb der Isländer Brücke von 0 bis 8 Fuß, und ihr Gefälle beträgt von der Haspeler Brücke bis zum Mühlenschlacht (Mühlenschütt) 20 Fuß, und von da bis zur Gränze des Gemeindegebietes, an der Stockmannsmühle 50 Fuß.

Landgerichtsgebäude. – Arresthaus

Nun weiter vorwärts über die Haspeler Brücke in die Stadt Elberfeld. Da starrt uns zunächst eine hohe Felsenwand entgegen; es ist ein, der Stadt Elberfeld gehöriger Thonschieferbruch.*) Von der Straße aus, die wir nun betreten haben, der Berliner Straße (oder Vicarie) bemerken wir vor Allem gleich links auf einer, von der Wupper gebildeten Insel (dem Eiland), ein sehr stattliches Gebäude. Es ist das Landgerichtsgebäude. Nach mehrjährigen Verhandlungen über die Wahl des Bauplatzes wurde durch Königliche Cabinetsordres vom 7. Juli 1841 und 8. August 1848 bestimmt, daß das Landgerichtsgebäude auf dem Eiland, und getrennt von demselben, jedoch in dessen Nähe das Arresthaus erbaut werden solle. Zum Ankaufe der Bauplätze haben die Gemeinden Elberfeld und Barmen überhaupt 18,400 Thaler beigetragen. Das Landgerichtsgebäude wurde in den Jahren 1848 bis 1853 errichtet. Es ist massiv in Bruchsteinen mit Werkstückverblendung im Florentinischen Style ausgeführt, hat 150 Fuß Front und 125 Fuß Tiefe mit einem innern Hofe von 3743 Fuß Breite und 46 Fuß Länge. Die Baukosten haben ohne die Ankaufskosten der Baustelle 165,186 Thaler betragen.

*) Es giebt in der Gemeinde Elberfeld noch 9 andere Steinbrüche , theils Grauwace, theils Sandstein, und ein Kalksteinbruch.

Ganz in der Nähe dieses Gebäudes, jedoch jenseit des linken Wupperarms, in der Kluse, wird jetzt das neue Arresthaus, massiv aus Ziegelsteinen, errichtet. Es soll im Ganzen 150 Gefangene fassen, welche größtentheils einzeln in Zellen untergebracht werden; nur für die Schuldgefangenen und die Kranken werden größere, auf eine Anzahl Personen berechnete Wohnzimmer eingerichtet. Die Einzelhaft der Uebrigen wird dadurch gemildert, daß 2 der 4 Höfe innerhalb der Umwährungsmauern ihnen an bestimmten Zeitpunkten zum Spazierengehen offenstehen sollen, einer den Männern und einer den Weibern unter ihnen. Durchgängige, sorgfältige Trennung der Geschlechter, auch für die Augen, ist ein Theil der gewiß nur zu billigenden Hauptidee des Baues, welche auf möglichste Fernhaltung aller, die Gemüthsbesserung der Gefangenen muthmaßlich nachtheiligen Einflüsse, besonders der gegenseitigen, abzielt. Im westlichen Vorsprunge des Gebäudes wird ein geräumiger, ebenfalls streng die Geschlechter scheidender Betsaal enthalten sein. – Die vollständige Anlage, mit Einschluß eines separaten Beamtenhauses wird mindestens etwa 140,000 Thaler kosten.

Theatergebäude. – Städtische höhere Töchterschule.

Verfolgen wir unsern Weg auf der Berliner Straße, so ist die nächste Straße links die Wupperstraße, die bis in die Nähe der Wupper führt und in welche die Hofauer Straße mündet, die westwärts in gerader Richtung bis zur kleinen Hofauer Straße führt und sich durch diese mit dem Kipdorf in Verbindung setzt.

Auf der Hofaue, rechts von der Wupperstraßen – Ecke, liegt das Gebäude des Theaters, ein großes, massives Gebäude, -im neueren Theaterstyl errichtet, dessen innere Einrichtung man jetzt, nachdem sich eine neue Actiengesellschaft gebildet hat, namentlich in Bezug auf die zu engen Sperrsitze, zu verbessern beabsichtigt.

Der Straßen-Complex der Hofaue besteht großentheils aus neuen, schönen Häusern und zeichnet sich durch Salubrität und eine fast feierliche Stille aus, während zur Rechten, auf der Berliner Straße, ein stets sehr bewegtes Leben fluthet und zur Linken die Industrie an der Wupper ihre Dampfmaschinen, Garnwäschereien etc. in Thätigkeit setzt.

Zwischen der Wupperstraße und der kleinen Hofauerstraße wird die Hofaue auch noch von der Bembergs-Straße durchschnitten, die zu der Brücke des Herrn J. W. Haarhaus über die Wupper führt. Weiterhin setzt auch die kurze aber hübsche Zollstraße die Hofaue mit dem Kipdorf in Verbindung. An der Ecke dieser Straße befindet sich in einem von der Stadt angemietheten Hause die unter der Direction des Herrn Richard Schornstein stehende städtische höhere Töchterschule und Bildungsanstalt für Lehrerinnen und Erzieherinnen. Diese Unterrichtsanstalt hatte im Schuljahre 1861 an Lehrkräften außer dem Direktor einen ordentlichen Lehrer und fünf ordentliche Lehrerinnen, und wurde außerdem von einem Gymnasiallehrer und einem Lehrer der Realschule in dem Unterrichte Unterstützung geleistet. Die Zahl der Schülerinnen betrug im 4. Quartal 1861: 190.

Hauptsteueramt. – Salzmagazin. – Haardt.

Auch die Gebäude des Königl. Hauptsteueramts und Salzmagazins liegen in der Zollstraße. Das Hauptsteueramtsgebäude wurde im Jahre 1830 aus Staatsmitteln gebaut und kostete 21,950 Thaler; das dabei befindliche Salzmagazin dagegen im Jahre 1833 und kostete 5580 Thaler. Es sind ansehnliche, umfassende Gebäude, denn der Bezirk des Hauptamtes hat eine große Ausdehnung, indem er nicht blos die Kreise Elberfeld, Barmen, Mettmann (mit Ausschluß der Bürgermeisterei Velbert) und Lennep, sondern auch ansehnliche Theile des angränzenden Regierungsbezirks Cöln in sich schließt. Das Verwaltungspersonal des Hauptsteueramts besteht aus dem Ober-Steuer-Inspector als Dirigenten, dem Hauptsteueramts-Rendanten, dem Haupt-steueramts -Controleur, zwei Ober-Steue -Controleuren und anderen Neben- und Unterbeamten.

Verlassen wir nun die Hofaue und kehren zur Berliner-Straße zurück. Sie gehört zu den älteren Stadttheilen, indem die Stadt früher mehr der Länge nach und weniger nach den Seiten hin ausgebaut wurde. Die Berliner-Straße endet am sogenannten „letzten Heller“, wo das Kipdorf beginnt. Hier scheidet sich aus dieser und der Berliner-Straße die Neuenteicher-Straße, die bis zum Ostersbaum, der Gränze nach Barmen, führt. Die Neuenteicher-Straße empfängt uns etwas schweigend und wir möchten sagen düster; aber post nubila phoebus! [Nach Wolken kommt die Sonne, JNK]– sie führt uns zu frischen, luftigen Höhen, die Zeugniß geben von Elberfeld’s Wohlthätigkeit, Pietät und Naturliebe.

Rechts ab aus der Neuenteicher-Straße führt uns ein steiler aber kurzer Weg zur Haardt, jetzt ein Vergnügungsort des Publikums.

Wir betreten hier einen historischen Boden; denn es ist wohl nicht zu bezweifeln, daß die Haardt einst ein Versammlungsort der altdeutschen heidnischen Bevölkerung war, sowohl zu volksmäßigen Festen und Besprechungen, als auch zu religiösen Uebungen und Opfern. Solche Versammlungen fanden immer in den Hagen oder Hainen Statt, die man auch Haardte (Haruc oder Harath), nannte.

Die Haardt, nach dem Grund-Kataster aus 10 Morgen 107 Ruthen 70 Fuß Holzungen und 4 Morgen 122 Ruthen 40 Fuß Oede bestehend, war früher ein wüstes, unfruchtbares Grundstück und wurde im Jahre 1818 von dem Wundarzte J. A. Diemel zu Promenaden eingerichtet. Später wurde die so geschaffene Anlage auch von anderen Privaten und der Gemeinde – Verwaltung in Pflege genommen, und so erlangte sie die jetzige Gestalt eines schönen, von vielen anmuthigen Pfaden mäandrisch durchschlungenen, mit Bäumen und Strauchwerk geschmackvoll verzierten Bergwäldchens. Im Besteigen desselben nimmt zunächst ein Standbild des H. Suidbertus, „des ersten Boten des Evangeliums im Lande der Berge“ unsere Aufmerksamkeit in Anspruch. Schon Diemel hatte ein solches Standbild errichten lassen, welches aber den Anforderungen der Kunst so wenig entsprach, daß man ein würdigeres Kunstwerk dieser Art an dessen Stelle wünschte. Ein solches wurde in dem gegenwärtig da stehenden Denkmale 1859 hergerichtet. Die Kosten desselben von 1326 Thlr. wurden durch freiwillige Beiträge hiesiger Bürger gedeckt, wozu hauptsächlich Herr J. F. Lüttringhausen Anregung gab.

Pavillon zum neutralen Boden. – Turnhalle.

Wir schreiten den Hügel etwas höher hinan und gelangen auf eine verhältnismäßig sehr geräumige Fläche, die mit ihren schattigen Bäumen und ihren schönen Fernsichten zum Verweilen einladet. Hier steht auch der „Pavillon zum neutralen Boden“, von dem Restaurateur Herrn Himmelmann-Pothmann also genannt, dessen wirthliche Bedienung alle Anerkennung verdient.

Noch höher hinauf, auf der Kuppe des Berges, steht ein Ehrendenkmal des oben erwähnten, im Jahre 1821 gestorbenen Wundarztes Diemel, welches ihm seine Mitbürger in dankbarer Anerkennung seiner Bemühungen für die Begründung der schönen Haardter Anlage im Jahre 1824 aus freiwilligen Beiträgen errichteten. Unten, am Fuße des Berges, befindet sich das geschmackvolle Lokal der schon am 20. April 1847 gegründeten Elberfelder Turngemeinde. Dieses Lokal wurde im Jahre 1861 mit einem durch freiwillige Beiträge resp. durch Actien-Zeichnungen gedeckten Kostenaufwande von 10,000 Thlr. aufgeführt und wird dasselbe auch von den Schülern des Gymnasiums und der Realschule, so wie auch von dem, im August 1860 gegründeten „allgemeinen Turnvereine“ miethweise benutzt.*)

*) Außer den beiden genannten Turnvereinen besteht hier noch der „Männer-Turnverein“, der im Jahre 1861 gegründet wurde und sein Lokal auf der Wilhelmshöhe hat.

Elisenhöhe. – Städtisches Kranken- und Armenhaus.

Aber was ist das für ein Thurm von seltsamer Form, der da drüben auf dem Felde die Höhe beherrscht? Gehen wir hin; es lohnt der Mühe! – Der Thurm gehörte, wie seine einfache massive Bauart noch jetzt verräth, früher einer Windmühle an. Der nun verstorbene Herr Engelbert Eller ließ vor einer Reihe Jahren die Grundstücke der nächsten Umgebung zu einem sehr geschmackvollen Garten aptiren und den Thurm in eine Art von Warte umschaffen, zu deren Plateform im Innern des Thurmes eine Wendeltreppe hinanführt, von wo hinab sich nach allen Seiten die schönsten Fernsichten bieten. Es ist dies auch leicht zu denken, da schon der Fuß des Thurmes 227 Fuß rhein. höher liegt, als der Wasserspiegel der Wupper im Brausenwerth, und ringsumher sich, ein Panorama der schönsten Landschaften und Häusermassen ausbreitet. Bot schon der Haardter Berg interessante Ansichten einzelner Parthieen, so sind dieselben hier noch viel reichhaltiger und imposanter. Aber auch der Garten an sich mit seinem herrlichen Blumenflor und seinen exotischen Gewächsen hat des Schönen und Sehenswerthen viel.

Herr Eller gab zu Ehren der erlauchten Gemahlin unseres nun verstorbenen Königs Friedrich Wilhelm IV., dem Besitzhum den Namen ,,Elisenhöhe“. Mit freundlicher Liberalität war seither und ist wohl noch jetzt anständigen Leuten der Zutritt zu den schönen Anlagen stets gestattet.

Von der Elisenhöhe führt uns zwischen Feldern und Gärten ein angenehmer Landweg nach dem Eingange zur Stadt, dem Ostersbaum, an der Gränze der Gemeinde Barmen.

Es empfangen uns hier zunächst meistens Wohnungen von Webern oder sonstigen geringen Gewerbetreibenden. Etwas weiter finden wir, nach der Stadt zurückgehend, zur Linken das (alte) städtische Krankenhaus, welches im Jahre 1847 durch Ankauf erworben und seiner Bestimmung gemäß eingerichtet wurde. Da es sich später, besonders beim Eintritte epidemischer Krankheiten, zu beschränkt zeigte, so wurde ein neues Krankenhaus errichtet, auf das wir später zurückkommen werden. Das alte Krankenhaus hatte zu Ende 1861 71 Pfleglinge.

Weiter in der Stadt liegt, ebenfalls zur Linken, das allgemeine städtische Armenhaus. Es ist ein schönes geräumiges Gebäude, 130 Fuß lang und 58 Fuß tief, mit zwei zurückweichenden Flügeln, dreistöckig in Bruchsteinen aufgeführt. Der Baustyl ist modern, vorherrschend in griechisch-dorischem Charakter, das Erdgeschoß aber im Rundbogenstyle angelegt. Der auf durchschnittlich 300 Pfleglinge berechnete Bau wurde 1827 vollendet und hat einschließlich des Bauplatzes 30,756 Thlr. gekostet. Im Jahre 1831 wurde eine Suppen-Anstalt im Armenhause errichtet, die noch fortwährend sehr wohlthätig wirkt.

Anstalt für verlassene Kinder. – Harmonie.

Wir erreichen nun wieder die Neuenteicher-Straße und finden hier in dem alten Waisenhause, welches schon im Jahre 1852 anderwärts durch ein neues ersetzt worden ist, eine Anstalt für verlassene Kinder, D. h. solcher Kinder, deren Eltern sich im Armen- oder Krankenhause oder in Gefängnissen befinden, oder die Kinder böswillig verlassen haben. Die Anstalt wird von einem Vorsteher, der zugleich Lehrer ist, mit dem nöthigen Aufsichtspersonale geleitet. Zu Ende des Jahres 1861 befanden sich 50 Kinder in dieser Anstalt.

Auf unserm Wege gelangen wir wieder an den „letzten Heller“, von wo wir uns zunächst zu der rechts abführenden Hofkamper-Straße wenden. Dies ist eine freundliche, auch nicht sehr unruhige Straße, die zu beiden Seiten von schmucken Häusern eingeschlossen wird und aus der einige Straßen ausweichen. Die erste ist die steile Deweerthstraße, welche auf dem Engelnberge ausläuft und in der sich die im Jahre 1849 erbaute Kirche der niederländisch-reformirten Gemeinde befindet. Dann kommt, nachdem der Hofkamp, dem im Jahre 1799 errichteten Gebäude der Gesellschaft „Harmonie“ gegenüber, (in welchem auch die Gesangvereine Liedertafel und Orpheus ihre Versammlungen halten), noch eine Verbindung mit der Kipdorfer-Straße erlangt hat, die lutherische Kirchhofsstraße [heute Harmoniestr.], welche zum ehemaligen lutherischen, und demnächst die reformirte Kirchhofsstraße [heute: Unterstr., JNK], welche zum ehemaligen reformirten Kirchhofe führt. Diese Beerdigungsplätze haben durch die im Jahre 1842 geschehene Einweihung neuer Kirchhöfe auf dem Dorrenberg, das Ende ihrer Bestimmung erreicht. Stil und schweigsam, dem Leben entfremdet, wie diese verlassenen Plätze, ruht dort ein großer Theil der früheren Bevölkerung Elberfelds!

Hofkamp. – Kipdorf – – Erste lutherische Kirche.

Weiterhin liegt die im Jahre 1806 von der reformirten Gemeinde erbaute reformirte Pfarrschule, die 1 Lehrer, 3 Hülfslehrer und 450 schulbesuchende Kinder zählt. Auch die sogenannte Lucasstraße, in welcher die schon im Jahre 1850 errichtete Privat-Elementarschule des Herrn P. Stöllermann liegt, eine kleine Straße, welche bisher keine weitere Verbindung hatte, – die ihr aber nun verschafft wird, indem man damit im Werke ist, sie mittelst Durchbruchs mit der lutherischen Pastoratstraße (Wilbergs – Gasse) zu verbinden führt rechts von der Hofkamper Straße ab. Diese letztere aber mündet zwischen der Moriansstraße und dem Rommelspütt. Wir müssen zurück zum „letzten Heller“, um das Kipdorf zu verfolgen. Beim Eintritt in die Kipdorfer Straße, welche nebst dem Hofkamp den Hauptverkehr mit Barmen vermittelt, werden wir sogleich darauf aufmerksam, daß hier das bürgerlich – gewerbliche und merkantilische Leben Elberfelds erst recht beginnt, denn es schließt sich Laden an Laden. Da ist bis zum Ende des Kipdorfs neben prächtigen, großen Verkaufsladen, kein Räumchen zu klein und kein Eckchen zu beschränkt, das nicht zu irgend einem Ladengeschäfte oder sonstigen bürgerlichen Gewerbe benußt wäre.

Vom Kipdorf aus geht, am sogenannten Beckhof, rechts die Schwanenstraße ab, eine schöne, ebenfalls mit vielen, zum Theil großartigen Läden versehene Straße, welche, indem sie an den Ecken der Kolker- und Moriansstraße vorbeiführt, die Poststraße durchschneidet und an der Wallstraße endet. Links ab von der Kipdorfer Straße liegt der Thomashof, in welchem sich die lutherische Pfarrschule, (1 Lehrer, 3 Hülfslehrer und 480 schulbesuchende Kinder), befindet. Die Straße des Kipdorfs geht indeß fort bis zum Kolk, wo das obere Kipdorf endet und das untere Kipdorf beginnt. Das Kipdorf ist der eigentliche Kern, wir möchten sagen, die Geburtsstätte der Stadt Elberfeld. In ihrer Nähe stand, von der Wupper bespült, die Burg, das Stammschloß der ersten Besitzer und die erste Kirche, und von hier aus verbreiteten sich die Ansiedlungen nach allen Richtungen.

Das untere Kipdorf wird begränzt von der Mühlenstraße, der Wallstraße, der Schwanenstraße und dem Kolk, während es an der südlichen Seite von der Wupper berührt wird. Es wird durchschnitten von der Schönegasse, dem Altmarkt, der Poststraße, der Kirchstraße, der Thurmhofstraße und Burgstraße. Immer noch Laden an Laden in größtentheils etwas engen Straßen, wie sie uns die Vorzeit überliefert hat.

Rathhaus. – Erste reformirte Kirche.

An der Kolkerstraße steht die in den Jahren 1746/52 erbaute erste lutherische Kirche. Ihre Thurmglocken sind vor Kurzem renovirt worden und geben ein ausgezeichnet schönes Geläute.

Das Rathhaus finden wir von der Wallstraße, dem Thurmhofe und der Burgstraße begränzt. Es ist ein imposantes, im Rundbogenstyle von behauenen Werksteinen aufgeführtes Gebäude, das im Jahre 1842 vollendet wurde und 147,000 Thlr. gekostet hat. Es besteht aus einem Hauptgebäude mit zwei zurückstehenden Flügeln, ist dreistöckig und mit einem platten Dache versehen, welches eine Gallerie verkleidet. Ein Fresco-Gemälde, Charakterbilder aus dem altgermanischen Leben und dessen Entwickelung darstellend, verzierte früher die Wände des im Rathhause befindlichen Bürgersaales, ist aber leider im Laufe der Zeit theilweise erloschen und hat auch durch die interimistische Einrichtung des Bürgersaales zu Bureau-lokalen einstweilen seinen Zusammenhang verloren. – Das Rathhaus dient nicht blos der Stadtverwaltung, sondern auch für die Geschäftsführung des Königl. Landrathsamtes, des Polizei-Präsidiums, des Königl. Friedens-, Handels- und des Gewerbegerichts und der Handelskammer.

In unmittelbarer Nähe des Rathhauses befindet sich das alte Rathhaus und das in den Jahren 1824/25 neu errichtete Gebäude der Stadtwage, welche beide jetzt noch als Arresthäuser benutzt werden, bis das noch im Bau begriffene neue Arresthaus bei dem Königl. Landgerichtsgebäude vollendet fein wird.

Dem Rathhause gegenüber, nur durch die kurze Burgstraße von ihm getrennt, befindet sich, die erste reformirte Kirche, umgeben von einem, mit Bäumen bepflanzten freien Platze. Sie wurde, nachdem die frühere, noch aus der Zeit der Reformation stammende und auf die reformirte Gemeinde übergegangene Antoni-Kirche im Jahre 1687 durch Brand eingeäschert war, im Jahre 1691 im Bau vollendet. Da sie für die später vermehrte Bevölkerung zu beschränkt wurde, so ist eine zweite reformirte Kirche erbaut worden, auf die wir später zurückkommen werden.

Am reformirten Kirchhofe befindet sich auch die seit dem Jahre 1851 bestehende Privat- Elementarschule des Herrn Lindner.

Postamt. – Engelnberg. – Wilhelmshöhe.

Der, südlich von der Schwanenstraße, westlich vom Neumarkte und östlich von der Moriansstraße begränzte Häuser-Complex schließt einen Theil der aus dem Kipdorf kommenden Poststraße mit dem Kerstensplatz, der Grabenstraße, dem Heubruch und der Funkenstraße [beide entfallen 1950, JNK] sämmtlich kurze und enge Verbindungsstraßen – in sich und führt nördlich zum Rommelspütt, von wo aus rechts ein Weg nach dem Engelnberg führt und geradeaus die Gathe anhebt. In der Poststraße und an dem Kerstensplatze liegt das Königl. Postamt, dessen Gebäude im Jahre 1824 durch Ankauf für das Königl. Post-Aerar erworben wurden. Die Bedeutsamkeit des hiesigen Postverkehrs ist schon aus der Größe seines Beamtenpersonals zu ermessen, welches aus 1 Direktor, 1 Postkassen-Controleur, 5 Ober-Postsekretairen, 14 Postsekretairen, 9 Expedienten, 8 Condukteuren, 8 Briefträgern, 3 Landbriefbestellern und einer nicht unbedeutenden Anzahl anderer Offizianten, Boten und Dienern besteht. Im Jahre 1861 kamen hier wöchentlich 112 Personenposten an, und es fuhren ebenso viele von hier ab.

Verfolgen wir nun zunächst den oben angedeuteten Weg vom Rommelspütt nach dem Engelnberg. Der Eingang ist etwas steil und in seiner Anlage überhaupt nicht eben einladend. Rechts von diesem Wege führt eine Verbindungsstraße nach der Dewerthstraße. An diesem Verbindungswege liegt rechts die Königl. Steuerkasse I. für direkte Steuern, deren Bezirk aus den Sektionen A. B. C. und G. besteht. An demselben Wege, weiter hinauf, jedoch links, liegt die im Jahre 1857 neu erbaute Engelnberger (ev.). Schule, die 12,883 Thlr. gekostet hat. Es ist dies eine Freischule mit 1 Lehrer, 4 Hülfslehrern, einer Lehrerin und 652 schulbesuchenden Kindern. *)

*) Freischulen, d. h. Schulen, in denen Kinder unbemittelter Eltern unentgeltlich oder gegen ermäßigtes Schulgeld Unterricht genießen, bestehen hier drei evangelische und eine katholische; außerdem eine besondere Schule in der Anstalt für verlassene Kinder.

Wir kehren zu dem eben vorher betretenen Wege zurück, der uns jetzt in einem bessern Zustande zur Wilhelmshöhe, einem großen, von einer Mauer bekleideten Gebäude, zur rechten Seite dieser Straße führt. Man muß die Anlage auf einer steinernen Treppe ersteigen, da jene viel höher liegt, als der vorbeiführende Weg, hat dann aber auch von da hinab einen malerischen Anblick über das Häusermeer der Stadt Elberfeld.

Engelnberg-Platz – Gathe.

In der Nähe von Wohn- und Wirthschaftsgebäuden, in einem Garten, der, terrassenförmig, durch Laubgänge, Lauben etc. manche Abwechselung bietet, steht da ein prächtiges Gebäude, das einen schönen, geräumigen Saal enthält. Der frühere Besitzer der „Wilhelmshöhe“ hatte dasselbe zu einem Vergnügungs-Lokale (für Concerte, Bälle, Schaustellungen etc.) herrichten lassen, als welches es auch jetzt noch benutzt wird; indessen ist die ganze Besitzung von der neuen lutherischen St. Petri-Gemeinde angekauft worden, und diese wird nach Auflösung des gegenwärtigen Pachtverhältnisses (dem Vernehmen nach noch in diesem Sommer), davon zu Gemeindezwecken Besitz nehmen.

Die „Wilhelmshöhe“ verlassend, steigen wir ferner bergan zwischen Häusern und Gärten, und gelangen so auf den eigentlichen „Engelnberg.“ Dies ist ein freier, seit dem Jahre 1825 planirter und zunächst zu militairischen Versammlungen und Uebungen bestimmter Platz von 7 Morgen 146 Ruthen 90 Fuß. [heute Platz der Republik, JNK] Er gewährt eine schöne Aussicht über Stadt und Gegend und wird auch zu Volksbelustigungen, namentlich zur Feier von Schützenfesten, gern benutzt, so wie auch der seit dem Fahre 1830 bestehende Elberfelder Schützen-Verein (nicht zu verwechseln mit der Schützengilde, deren wir später gedenken werden), dort in einem angränzenden Garten sein Schießlokal hat.*)

*) Außer diesen beiden Schützengesellschaften giebt es noch eine solche am Brill, so wie den „Wupperthaler wirklichen Jäger- und Schützen-Verein“, welcher sein Lokal bisher auf der Wilhelmshöhe hatte

Haben wir uns auf dem Engelnberg genug umgesehen, dann wieder herab bis zu dem Punkte, wo wir zuerst zu ihm hinangestiegen sind! Es ist dies am Rommelspütt, von wo die geradeaus gehende Straße zur Gathe oder Bachstraße führt. Diese präsentirt sich uns als eine breite, ansehnliche Straße; aber dies ist sie erst geworden, seitdem der, sie in der Mitte durchschneidende Mirkerbach, (welcher aus dem Dönberge, Bürgermeisterei Haßlinghausen kommt und sich unterhalb der Isländer Brücke in die Wupper ergießt), überwölbt und durch Bepflasterung mit den beiden früheren Straßentheilen vereinigt worden ist. Diese Anlage ist im Frühling 1858 vollendet worden und hat überhaupt 24,202 Thlr. gekostet, wovon der Staat (Wegbau-Fiskus) die Kosten der Bepflasterung mit 2700 Thlrn. und einen Zuschuß von 4300 Thlrn., die Anwohner einen Beitrag von 978 Thlr. 15 Sgr. hergegeben haben und der Rest von ca. 16,224 Thlrn. der Stadt zur Last geblieben ist.

Zweite lutherische Kirche. – Friedrichs-, – Hochstraße.

Die Gathe, früher eine bedeutungslose Straße, die nicht sonderlich in Achtung stand, hat durch die vorgedachte Anlage ungemein gewonnen, nicht blos an Schönheit, sondern auch aus Gesundheitsrücksichten, und sie scheint berufen zu sein, einst noch eine besonders schöne Straße zu werden, so bald nur einmal Lust in die Leute kommen wird, sie mit schönen Gebäuden zu zieren.

Die Gather Straße führt uns in die Landgemeinde, zur Mirke, von wo aus sie als Staatsstraße die Verbindung mit Sprockhövel u. weiter vermittelt. Wir verlassen sie aber ungefähr an ihrem städtischen Ende, wenden uns links ab und gelangen so zu der benachbarten zweiten lutherischen Kirche am obern Ende der Friedrichsstraße. Diese Kirche wurde im Jahre 1850 im Bau vollendet. Sie ist im altdeutschen Style, mit verzierter Holzdecke im Innern, erbaut. Das Schiff der Kirche ist 72 Fuß lang und 51 Fuß breit. Die innere Höhe beträgt 40 bis 52 Fuß, und die Höhe des Thurmes, der eine Grundfläche von 20 Quadratfuß hat, 148 Fuß. – Die Baukosten von 35,000 Thlrn. wurden von den Gemeindegliedern theils durch freiwillige Beiträge, theils durch Umlage aufgebracht. Freundlich blickt die Kirche von ihrer Höhe in die vor ihr liegende, schnurgerade bis zum Neumarkt abschüssig führende Friedrichsstraße herab. Links von der Kirche in der Schulstraße, liegt die (ev.) Freischule II., die 1 Lehrer, 5 Hülfslehrer und 710 schulbesuchende Kinder zählt. Die Friedrichsstraße wird von 3 Straßen durchschnitten, welche, den Standpunkt von der Kirche genommen, links von der Gathe, und rechts von der kathol. Kirchhofsstraße [heute Nordstr., JNK] begränzt sind. Die erste dieser Straßen ist die Albrechtsstraße. In der hierauf folgenden Querstraße, der Karlsstraße, befindet sich im sogenannten Hohlenweg die IV. (kathol.) Freischule mit drei Filial-Classen und überhaupt 1013 schulbesuchenden Kindern, und dann folgt die Wilhelmsstraße, aus der aufwärts die kathol. Kirchhofsstraße führt, die ihren Namen von dem im Jahre 1845 verlassenen kathol. Kirchhofe hat, der zu der angegebenen Zeit nach dem Dorrenberg, bei den neuen evangelischen Kirchhöfen, verlegt wurde. Die Wilhelmsstraße mündet rechts ab in die zu dem Dorrenberge führende Hochstraße, aus der zur Linken sich die Bergstraße abzweigt, die wir später besuchen werden.

Klotzbahn. – Neumarkt. – Schloßbleiche.

Aus der Friedrichsstraße führt demnächst auch noch rechts ab die kleine Klotzbahn in die Häuserreihen der großen Klotzbahn, die sich demnächst an die Hochstraße anschließt. Der vorgedachte gesammte Häuser- Complex ist meistens von mittleren und geringeren Gewerbebetreibenden, namentlich Webern bewohnt.

Am Ende der Friedrichsstraße breitet sich vor uns der Neumarkt aus.

Es ist dies ein schiefwinklicher, sonst aber schöner und schmucker Platz von 1 Morgen 130 Ruthen 70 Fuß, der bis zum Jahre 1802 Kirchhof der reformirten Gemeinde war und im Jahre 1809 von der Stadt für 4400 Thlr. berg. käuflich erworben wurde. Der Platz liegt etwas erhöht, ist rings von ansehnlichen Häusern umgeben, und es führen von verschiedenen Seiten vier Treppen zu ihm. An der südöstlichen Seite ist er mit einer Verkaufshalle versehen und in seiner Mitte prangt, von einer stattlichen Einfassung umgeben, eine Eiche, die am 9. November 1814 zum Andenken an den, gerade ein Jahr vorher erfolgten ersten Einzug von Truppen der gegen Frankreich verbündeten Heere von mehreren patriotischen Bürgern gepflanzt wurde und jetzt noch unter der Pflege und dem Schutze der „,Eichengesellschaft“, eines besonderen Vereins von Vaterlandsfreunden, steht. Die erwähnte Einfassung ist durch 4 Säulen geziert, in denen verschiedene Inschriften stehen, und zwar:

Erste Säule: „Zum Andenken des 9. November 1813, des Einzuges der ersten verbündeten Truppen. Errichtet von der „Eichengesellschaft.“
Zweite Säule: „Franz dem I., Kaiser von Oesterreich.“
Dritte Säule: „Friedrich Wilhelm dem III., König von Preußen.“
Vierte Säule: „Alexander dem 1., Kaiser aller Reußen.“
Am Fuße dieser letzten Säule: „Gebaut im Jahre 1817.“

Vom Neumarkte gelangen wir in südlicher Richtung auf die breite, und, wenn auch nicht lange, doch sonst ansehnliche Wallstraße, die etwa in ihrer Mitte zur Rechten nach dem Wiedenhof und die nahebei an der Wupper liegende Schloßbleiche führt, deren Name an das Schloß Elberfeld erinnert. Die Schloßbleiche ist ein ungepflasterter, 152 Ruthen 30 Fuß großer Platz, der haupsächlich [sic!] zu Schaustellungen benutzt wird, und auf dem zur Meßzeit in einem Gewühle von Menschen ein sinnverwirrendes Durcheinander von Kirmesspectakel aller Art und allerlei sich gegenseitig überbietenden Anpreisungen der verschiedenen Budeninhaber sich breit und laut macht.

Genügsamkeit. – Gymnasium. – Privat-Töchterschule.

In westlicher Richtung führt von dem Neumarkte die Neumarktstraße ab, in welcher das Gebäude der schon seit ungefähr 50 Jahren bestehenden Gesellschaft „Genügsamkeit“ und das Lokal der Königl. Steuerkasse II. liegt, zu deren Bezirk die Sectionen D. E. F. H. und J., und außerdem die Bürgermeisterei Kronenberg gehören. Diese Straße mündet in die Grünstraße, welche links ab bis zur Schlössersgasse und zur Herzogsstraße führt. In der Grünstraße finden wir das Gymnasium, das unter dem dreifachen Patronate der reformirten Gemeinde, der Stadt und Sr. Majestät des Königs steht. Es umfaßt sechs Klassen und eine Vorschule, und es wirken an demselben 1 Director, 3 Oberlehrer, 5 Gymnasiallehrer und 3 Hülfslehrer, einschließlich eines Zeichenlehrers so wie eines evangelischen und eines katholischen Religionslehrers. Die Anzahl der Schüler betrug während des Winterhalbjahres 1860/61 in den Gymnasial – Klassen 252, in der Vorschule 21, zusammen 273. Während des Sommerhalbjahres 1861 betrug die Schülerzahl 251 resp. 25, überhaupt also 276. Die zunehmende Frequenz dieser Lehranstalt machte eine Vermehrung der Schulzimmer nothwendig, die im Jahre 1861 durch Errichtung eines zweiten Stockwerkes über dem östlichen Theile des Schulgebäudes mit dem Kostenbetrage von 4600 Thlrn. bewerkstelligt worden ist.

Etwas weiter an derselben Seite der Straße, liegt die katholische Mädchenschule, die 1 Lehrer, 1 Hülfslehrer und zwei Lehrerinnen bei 476 schulbesuchenden Kindern hat. Am entgegengesetzten Ende der Grünstraße befindet sich die unter der Direction des Herrn Dr. Hambruch stehende höhere Privat-Töchterschule und Lehrerinnen-Bildungsanstalt, die im Jahre 1861 an Lehrkräften außer dem Director einen ordentlichen Lehrer, fünf ordentliche Lehrerinnen und sechs andere Lehrer für einzelne Fächer hatte. Die Zahl der Schülerinnen betrug am 1. April 1862: 154.

Hier, am Ende der Grünstraße liegt vor uns die Louisenstraße, von deren Ecke man aber zur Bergstraße gelangt, der wir zunächst einen kurzen Besuch machen müssen.

St. Josephs-Hospital. – Ev. Vereinshaus.

Sie hat sich erst in neuerer Zeit durch Anbauten hervorgehoben und wird sich gewiß auch ferner noch mehr entwickeln und geltend machen. Wir finden hier zunächst die im Jahre 1847 mit dem Kostenbetrage von ca. 12,000 Thlr. erbaute (ev.) Louisenschule, die 1 Lehrer, 3 Hülfslehrer und 420 schulbesuchende Kinder hat. Nahebei, an derselben Seite, erhebt sich das, der katholischen Gemeinde gehörige St. Josephs-Hospital, ein hübsches und freundliches, massiv in Werksteinen errichtetes Gebäude, dessen westlicher Flügel für die Pflege armer Kranken, so wie auch solcher Kranken, die sich gegen Vergütung verpflegen lassen wollen, bestimmt ist, während der östliche Flügel als katholisches Waisenhaus dienen soll. Ein Anbau, der für die Aufnahme ansteckender Kranken bestimmt ist, befindet sich in der Ausführung, und wird das ganze, im Herbste 1862 zur Vollendung gelangende Gebäude eine Länge von 180 Fuß bei einer Tiefe von 40 Fuß haben. Das Hospital wurde mit dem Jahre 1856 eröffnet. Die Kosten des Gebäudes von 37,000 Thlr. wurden durch freiwillige Beiträge der katholischen Gemeindeglieder aufgebracht, die für das schöne, wohlthätige Werk unstreitig die dankbarste Anerkennung verdienen. Sodann finden wir an dieser Straße, in dem früheren Gebäude der höhern Webeschule, die katholische Knabenschule, welche mit dem Jahre 1861 in dieses Gebäude verlegt wurde. Sie hat 1 Lehrer, 3 Hülfslehrer und 449 schulbesuchende Kinder. – Die Bergstraße mündet weiter hinauf in die Hochstraße.

An der von der Bergstraße abzweigenden „Plateniusstraße“ wird jetzt eine Reitbahn auf Actien gebaut.

Wir kehren indessen dahin zurück, von wo wir uns zuerst zur Bergstraße gewendet haben, nämlich zum Eingange in die Louisenstraße. Es ist dies eine stille, etwas ernste, jedoch von hübschen Häusern eingeschlossene Straße. An dem Punkte, wo sich die Casinostraße ihr verbindet, liegt das sogenannte evangelische Vereinshaus, das Lokal des im Jahre 1860 gegründeten, „christlichen Bürgervereins“, der ein engeres Aneinanderschließen und Zusammenhalten christlich gesinnter Bürger zu gegenseitiger Unterhaltung und Belehrung bezweckt und auch Einrichtungen zur Aufnahme und Beherbergung gleichgesinnter durchreisender Fremden getroffen hat. Von hier aus geht die Louisenstraße in gerader Richtung durch den neueren Stadttheil, jedoch unter dem Namen der „verlängerten louisenstraße“ bis zur Obergrünewalderstraße fort. Dann erhebt sich rechts der Grünewalderberg, der, meistens von Webern und Fabrikarbeitern bewohnt, auf seinem Abhange zu Gemüsefeldern aptirt ist und von manchen Punkten herrliche Aussichten über Stadt und Gegend bietet. An ihn lehnt sich der schöne de Weerth’sche Garten, der andererseits von der Nevigeser Chaussee und der Königsstraße begränzt wird. Es ist dies eine allerliebste Anlage, die auf verhältnißmäßig beschränktem Raume die verschiedensten Gruppirungen repräsentirt und davon Zeugniß giebt, was die sinnige Kunst aus wüster Natur Schönes zu schaffen vermag.

Königsstraße. – Zweite reformirte Kirche.

Vom Grünewalder Berg gelangen wir längs dem de Weerth’schen Garten zu dem Eingange der Stadt an deren westlichem Ende. Da eröffnet sich uns, breit und prachtvoll, die Königsstraße. Sie führt schnurgerade bis an die Herzogs- und Louisenstraße und durchschneidet so den in den dreißiger Jahren entstandenen neuen Stadttheil. Die Königsstraße [heute: Friedrich-Ebert-Str., JNK] wurde erst 1839 vollendet und mit dem 1. Januar 1840 dem Publikum eröffnet. Man sieht es ihr mit dem ersten Blicke an, daß sie der neueren Zeit angehört, da auch die schönen, zum Theil prachtvollen Anbauten zu beiden Seiten neu sind. Sie stellt dem einkehrenden Fremden sogleich das Bild einer großen Stadt vor Augen, ein Eindruck, der sich später zwischen den engeren Straßen großentheils wieder verliert. Die Straße wird von der Obergrünewalder- und der Untergrünewalderstraße durchschnitten; außerdem führen rechts die Sophienstraße, die Auer Schulstraße und die Laurentiusstraße, zur Verbindung mit der Auerstraße, so wie links die Osterfelderstraße zur Verbindung mit dem Grünewalder Berg resp. der verlängerten Louisenstraße, von ihr ab.

Der Sophienstraße gegenüber, etwas einwärts von der linken Seite der Königsstraße, liegt die in dem Jahre 1853 – 1858 nach einem Plane des Regierungs- und Bauraths, Dombaumeisters Zwirner zu Cöln, durch den Baumeister Friedr. Augustini hierselbst erbaute zweite reformirte Kirche. Sie ist im gothisch – byzantinischen Rundbogenstyle in festen Sandstein-Quadern mit Bruchsteinmauerwerk verbunden, ausgeführt, hat 112 Fuß Länge, 66 Fuß Breite und 55 Fuß Höhe in den Umfassungsmauern. Der schlanke, achtseitige Thurm hat 210 Fuß Höhe. Eine Hauptzierde im Innern der Kirche bildet die von Joh. Friedr. Schulze & Söhnen zu Paulinszelle gefertigte, sehr gelungene Orgel. Die Kosten des Kirchenbaues nebst Orgel, Glocken und übrigen Einrichtungen betragen ca. 98,600. Thlr. und wurden durch freiwillige Gaben der hiesigen reformirten Gemeindeglieder aufgebracht. Der Bauplatz nebst einem 46 Fuß breiten umliegenden Straßenterrain, zusammen im Werthe von 14,000 Thlr., wurde von dem nun verstorbenen Rentner de Landas unentgeltlich hergegeben.

Königsplatz. – Katholische Kirche.

Auch das Gebäude der im Jahre 1823 hier gegründeten „vaterländischen Feuer-Versicherungs-Gesellschaft“ befindet sich in der Königsstraße, und zwar an dem sogenannten Königsplatze [heute: Laurentiusplatz]. Von der gegenüber liegenden Straßenseite aus führt die Auer Schulstraße zur Aue. Die Auer Schule, welche in dieser Straße liegt, wurde im Jahre 1839 im Bau vollendet. Sie hat 1 Lehrer, 3 Hülfslehrer und 490 schulbesuchende Kinder.

Der vorgedachte Königsplatz, in seiner regelmäßigen Quadratform und äußern Ausstattung der schönste öffentliche Plan der Stadt Elberfeld, deren Eigenthum er ist, hat eine Größe von 1 Morgen 160 Ruthen und ist mit Bäumen bepflanzt, die ihm ein sehr freundliches Ansehen geben. Zur Zeit der Messen und bei andern Gelegenheiten, wo der Neumarkt zur Abhaltung der Wochenmärkte nicht benutzt werden kann, dient der Königsplatz hierzu. Auf demselben steht die in den Jahren 1829 bis 1836 im Bau ausgeführte schöne katholische Kirche. In dem Baustyl derselben ist die griechisch-dorische Form vorherrschend, hinsichtlich der runden Fenster- und Kuppelgewölbe dem byzantinischen Style sich annähernd. Die Haupt-Façade bilden 2 Thürme, zwischen welchen ein vorstehendes Portal, jedoch ohne Säulen angebracht ist. Das ganze Gebäude ist 94 Fuß breit und 191 Fuß lang, die Kirche 54, die Thürme 98 Fuß hoch, worauf Spißen von 55 Fuß Höhe. Der Bau dieser Kirche hat 100,676 Thlr. gekostet, welche außer dem Erlöse aus der verkauften alten Kirche nebst Zubehör durch verhältnismäßig geringe Kapital-Anleihen, ferner durch 31,500 Thlr. an Collectengeldern und freiwilligen Beiträgen der Gemeindeglieder und der evangelischen Einwohner und durch ein Geschenk Sr. Majestät des Königs von 5000 Thlrn, zusammengebracht wurden. In der Stadt Elberfeld allein brachten die zu diesem Zwecke abgehaltenen Collecten 25,920 Thlr. auf, worunter an Beiträgen von nicht – katholischen Bürgern die Summe von 13,620 Thlr. begriffen war.

Casino. – Loge. – Realschule.

Weiter hinauf an der Königsstraße liegt das schöne Gebäude der Gesellschaft Casino, welches, nachdem das frühere Gebäude in der Neujahrsnacht von 1857 auf 1858 durch Brand eingeäschert worden, im Jahre 1859 durch Actienzeichnungen neu errichtet, und am 4. Februar 1860 eingeweiht worden.

Es trägt in goldenen Buchstaben die Ueberschrift: „Ex flammis renascor.“ Es finden dort häufig vorzügliche Concerte statt, und das Gebäude dient auch zu den Versammlungen und Kunstübungen des hiesigen Gesang – Vereins, des Instrumental – Vereins und des Schach-Clubbs.

Die Loge „Hermann zum Lande der Berge“, welche früher in einem Flügel dieses Gebäudes ihr Lokal hatte, hat nach dem Brande den bisher miethweise benutzten Flügel käuflich erworben, solchen neu bauen lassen und kürzlich bezogen. Der Eingang zu diesem Lokale geschieht von der Casinogarten-Straße.

In dieser letzteren Straße befindet sich die im Jahre 1844 für den Bezirk des hiesigen Königl. Handelsgerichts auf Actien errichtete Seiden-Trocknungs – Anstalt.

Am Casino endigt die Königsstraße, und mit ihr der neuere Stadttheil, indem dieser rechts durch die Kleine Herzogsstraße, welche zur Auerstraße, und links durch die Casinostraße, welche zur Louisenstraße führt, von den älteren Stadttheilen abgeschnitten wird.

Wir betreten nun die Herzogsstraße, die sich ebenfalls durch ziemliche Breite und durch schöne Anbauten auszeichnet. In dieser Straße finden wir zur Rechten die Realschule, deren Gebäude im Jahre 1830 von der Stadt für den Betrag von 17,500 Thlrn. durch Ankauf erworben wurden. Sie bestehen in einem Haupt- und zwei Nebengebäuden nebst Hofraume. Diese Lokalitäten haben im Jahre 1858 noch durch einen Erweiterungsbau von vier Klassenzimmern und einem Saale für die Schulfeierlichkeiten vermehrt werden müssen. Das Hauptgebäude, 68 Fuß lang und 364/2 Fuß tief, ist massiv in Bruchsteinen, vierstöckig aufgeführt. Der Baustyl ist italienisch-modern und gefällig, indem alle Profilirungen leicht gehalten sind. Die Realschule hat jetzt 6 Klassen und eine Vorbereitungs-Klasse. Es wirken daran: 1 Director, 3 Oberlehrer, 5 ordentliche Lehrer und 2 Hülfslehrer. Die Schülerzahl betrug 1860/61: 291, von denen 27 auf die Vorbereitungs-Klasse kamen, und im Sommersemester 1861: 296 incl. 32 Schülern der Vorbereitungs-Klasse. — Der Realschule gegenüber befindet sich das Gebäude der mit October 1847 hier in Wirsamkeit [sic!] getretenen Königl. Bank-Commandite.

Erholung. – Ref. Armenhaus. – Bürgerkrankenhaus.

Weiter hinauf, zur Linken, führt uns die Erholungsstraße zu dem Gebäude der schon seit dem Jahre 1794 bestehenden Gesellschaft Erholung.

Von der Herzogsstraße, welche dem Rathhause gegenüber in die Wallstraße mündet, führt etwas vorher eine kurze und enge Straße rechts zum Wiedenhof, eine Bezeichnung, welche ursprünglich einer reformirten Pastorat-Wohnung daselbst angehörte, im gemeinen Leben jedoch gewöhnlich in Wirmhof umgewandelt wird. Es befindet sich hier auch das im Jahre 1676 errichtete reformirte Armenhaus, in welchem meistens alte, schwache Leute der reformirten Gemeinde Wohnung und Pflege finden.

Dem Wiedenhof folgt „das Mäuerchen,“ so genannt von der niedrigen Mauer, die von hier bis zur Auerstraße die Wupper einschließt, und der eine Reihe schöner Häuser rechts gegenüber liegt. Ungefähr in der Mitte des „Mäuerchens“ führt eine, der Stadt gehörige Jochbrücke über die Wupper, wodurch die Verbindung mit der Alexanderstraße, dem Islande etc. vermittelt wird, und etwas weiter unterhalb liegt die Ohligsmühle, die mit Unterstützung einer Dampfmaschine zum Getreidemahlen dient.

An der Stelle, wo von dem „Mäuerchen“ rechts die kI. Herzogsstraße nach der Königsstraße abführt, fängt die Auerstraße an. Sie gehört noch dem älteren Stadttheile an, hat eine ziemliche Breite, meistens schöne Häuser und eine gerade Richtung. Aus ihr führen die Laurentiusstraße, die Auer Schulstraße und die Ober- und Untergrünewalderstraße zur Königsstraße. Fast am Ende der Auerstraße, zur Linken, liegt das in den Jahren 1820 – 22 erbaute Bürgerkrankenhaus, das 17,350 Thlr. gekostet hat. Dieses Bau-Capital wurde zunächst durch den Ueberschuß aus der Rechnung des in den Nothjahren 1816/17 hier gebildeten sogenannten Korn-Vereins, von 13,000 Thlrn., ferner durch ein Königl. Gnadengeschenk von 1000 Thlrn. und durch Ueberweisung von Einquartirungsgeldern und baaren freiwilligen Beiträgen hiesiger Bürger aufgebracht. Auch diese Anstalt steht sonach da als ein Denkmal des Wohlthätigkeitssinnes der hiesigen Bürgerschaft, und sie wirkt unter einer sorgsamen Verwaltung sehr wohlthätig und segensreich.

Villa Steinbeck – Steinbecker Bahnhof.

Wir befinden uns nun wieder am westlichen Ende der Stadt, und hätten so das Stadtgebiet auf der rechten Seite der Wupper durch wandert. Es bleibt uns nun, bevor wir uns auch in dem ländlichen Bezirke umsehen, noch übrig, den auf der linken Seite der Wupper liegenden Stadtbezirk zu begehen. Schicken wir uns dazu an!

Wir betreten demnach den nach dem Steinbecker Bahnhof führenden Weg, überschreiten die in demselben liegende Wupperbrücke und wenden uns dann links ab, um zunächst zur Gesundheitsstraße zu gelangen.

Aber halt! was für eine freundliche Anlage ist das, die dort vor uns liegt? Es ist die „Villa Steinbeck“, ein Garten-Wirthschafts-Lokal, von dem Besitzer, Herrn S. F. Holkem, gar nicht übel also genannt. Dahin müssen wir zunächst, da uns die Anlage, obschon sie, gleich dem angränzenden Steinbecker Bahnhofe schon zum Landbezirke gehört, so einladend am Wege liegt. Die Villa Steinbeck hat einen zierlichen Salon und einen schönen von Bäumen beschatteten Garten mit Ruhesitzen mannichfaltiger Art. Von dem Garten aus hat man malerische Aussichten, besonders in die Thalschlucht zwischen dem Kießberg und dem Nützenberg, worin Manche viel Aehnkeit [sic!] mit der porta westphalica in der Wesergegend finden wollen.

Der nebenan liegende Steinbecker Bahnhof dient jetzt, nachdem im Jahre 1858 die Fusion der Düsseldorf – Elberfelder Eisenbahn mit der Bergisch-Märkischen zu Stande gekommen, nicht mehr dem Personen-Verkehre, sondern nur noch zur Güter-Expedition.

Johannisberg. – Gärten von Coeler und Einsel.

Von hier gelangen wir – wenn wir nicht der links abführenden, die Verbindung mit der Gesundheitsstraße etc. vermittelnden Südoststraße Besuch abstatten wollen, – der Bergisch – Märkischen Eisenbahn entlang, auf die Kölner Straße, die zunächst nach Kronenberg, Solingen etc. führt. An dieser Straße liegt der Johannisberg, ein weit und breit bekanntes Vergnügungs-lokal, das wir uns etwas näher besehen müssen. Wir durchschreiten die Flur des Wohnhauses, und es empfängt uns eine große, schöne Gartenanlage, mit Bäumen alleenartig bepflanzt, und mit einem freien großen Platze, der einer ansehnlichen Menschenmenge zum Lustwandeln in freier Luft hinlänglich kaum gewährt, sonst aber zu künstlerischen Produktionen aller Art benutzt wird. In der Mitte des Platzs ist eine Springbrunnen-Anlage, die an Sommertagen durch ihre Wasserspiele Unterhaltung gewährt, und zwischen den Bäumen erhebt sich ein zierliches Orchestergebäude, selbstredend ebenfalls nur für die Sommermonate bestimmt. Außer den vielen, unter den schattenden Bäumen angebrachten Sitzpläßen ist auch eine Halle zum Aufenthalte bei schlechter Witterung vorhanden. Vom Garten des Johannisberges aus bietet sich eine herrliche Aussicht, zuerst über die Häusermasse von Elberfeld, dann aber auch in die Ferne, namentlich über das Wupperthal nach Schwelm und nach den Fabrikanlagen am Eynern – Graben. Das am Eingange des Gartens stehende Gebäude enthält einen Saal, der zu Concerten, Bällen und Schaustellungen dient und auch eine förmliche Bühne zu theatralischen Vorstellungen hat. Dieser Saal erfreut sich besonders an Sonntagen eines zahlreichen Besuches aus Stadt und Umgegend, so wie es auch den Abonnements-Concerten, welche dort zweimal wöchentlich stattfinden, an großer Theilnahme nicht fehlt. Die anerkannt kunstvollen Leistungen der unter dem Direktor Langenbach stehenden, jetzt 40 Mitglieder zählenden Johannisberger Kapelle, und die Umsicht und Präcision, mit welcher der Inhaber des Etablissements, Herr Abr. Küpper, für mannichfaltig abwechselnde Unterhaltung und für die wirthliche Bedienung seines Publikums sorgt, machen die stete Frequenz dieses Vergnügungs-Lokals erklärlich. Dem Johannisberge gegenüber, beziehlich zur Rechten, befinden sich die gut besuchten Gartenwirthschaften des Herrn Otto Coeler und des Herrn Wilh. Einsel. Beide Anlagen gewähren dem Besucher angenehmen Aufenthalt, namentlich auch durch die geschmackvollen Ausstattungen der Gärten und durch die schönen Aussichten, welche man von diesen aus genießt.

– Obgleich auch diese Anlagen eigentlich schon dem Landbezirke angehören, so haben wir sie doch schon hier mit berühren zu müssen geglaubt, da sie dem zur Stadt gehörenden Johannisberge so nahe liegen.

Gesundheitsstraße. – Böckel. – Stationsgebäude.

Wir ziehen nun aber die etwas stark sich neigende Kölner Straße hinunter und machen im Islande, an der sogenannten „dicken Pumpe“, einstweilen Halt, um zuvörderst auf die von hier links abgehende Gesundheitsstraße, die wir auf unserer, so eben beendeten Excursion beinahe vergessen hätten, hinzuweisen. Sie geht etwas bergan und es führen mehrere Straßen und Pässe zur Verbindung mit der Ohligsmühle, der Alexanderstraße und dem Mäuerchen, so wie der Südoststraße, von ihr ab. Von der Höhe der Gesundheitsstraße hat man eine schöne Aussicht auf die unten ausgebreitete Stadt. Wir setzen indessen unsern Weg durch das Island fort. Es ist dies eine enge, dicht bewohnte Straße, in der sich wieder Laden an Laden drängt und ein reger Verkehr bewegt. Aus ihr zweigt sich der ,,Böckel“ ab, ein unregelmäßiges Straßenterrain, das rechts mit dem Hohlenweg (Kölner Straße) in Verbindung steht und links nach dem Döppersberg führt. An diesem linken Ausgange des Böckel und dem vorbeiführenden Wege nach dem Grifflenberge steht, etwas erhöht, die Friedrich-Wilhelms-Schule. Sie wurde in den Jahren 1840/41 nach einem Anschlage, der sich auf 10,995 Thlr. belief, erbaut. Es wirken an derselben 1 Lehrer und 2 Hülfslehrer bei der Anzahl von 327 schulbesuchenden Kindern. Vor uns liegt der geräumige Döppersberger Bahnhof mit seinen Magazinen und Lagerplätzen; wir kehren aber zum Island zurück, besehen uns die am Ende desselben in der Richtung nach der Wallstraße liegende massiv erbaute Isländer Brücke, durchschreiten dann rasch die Fuhr, eine enge, nicht im besten Renommée stehende Straße, und gelangen aus dieser zu der Wupperbrücke am Döppersberg. Bis jetzt bestand hier nur eine hölzerne Jochbrücke. Nach längern Verhandlungen zwischen der Stadtverwaltung, Direction der Bergisch – Märkischen Eisenbahn – Gesellschaft und dem Königl. Ministerium ist aber die Erbauung einer massiven Brücke zur Verbindung der Stadt mit dem bergisch – märkischen Haupt – Bahnhofe, nach einem, den Betrag von 70,500 Thlr. ergebenden Kostenanschlage, beschlossen und die Vereinbarung getroffen worden, daß zu diesen Kosten die Staatskasse einen Zuschuß von 10,000 Thlr. leisten und die Stadt Elberfeld so wie die Eisenbahn-Gesellschaft die übrigen 60,500 Thlr. je zur Hälfte übernehmen sollten. Mit dem Bau dieser Brücke, welche in allmähliger Ansteigung von der Gränze des Altmarktes unmittelbar zum Plateau des Bahnhofes führen wird, hat man jetzt eben begonnen.

Telegraph. – Webeschule. – Gasanstalt.

Wahrhaft imposant ist das hier auf dem Döppersberg stehende, im Jahre 1848 im Bau vollendete Stationsgebäude der bergisch-märkischen Eisenbahn, von dem aus der Personenverkehr auf dieser Bahn mit dem 9. März 1849 eröffnet wurde. Es ist im griechischen Style aufgeführt. Das Hauptgebäude ist 183 Fuß lang und 50 Fuß breit und neuerdings durch einen Anbau an der westlichen Seite, der 112 Fuß lang und 50 Fuß breit ist, und in dem auch die Postverwaltung einige Räume angewiesen erhalten hat, erweitert worden. Die in dem Stationsgebäude befindliche Telegraphen-Station wurde schon am 1. Januar desselben Jahres, zuvörderst für Staatszwecke, errichtet und mit dem 1. October desselben Jahres auch der Benutzung zu Privatzwecken freigegeben.

Vom Bahnhofe aus führt uns die Ronsdorfer Chaussee, dem Döppersberg entlang, und an schönen Häusern und Gärten vorüber, zunächst bis zur Kluse. An diesem Wege, nicht weit vom Bahnhofe, erhebt sich rechts ein prachtvolles Gebäude. Es ist das Gebäude der höheren Webeschule [heute Wuppertal Institut, JNK], das zugleich eine Fabrikmuster-Zeichenschule, so wie die Provinzial-Gewerbeschule und eine Handwerker-Fortbildungsschule in sich schließt. Dieses Gebäude, welches im Jahre 1859 vollendet wurde, ist im römischen Style aufgeführt, hat eine Länge von 130 Fuß und enthält einen Mittelbau und zwei, nach der hinteren Seite ausgebaute Flügel. Die Tiefe des Mittelbaues beträgt 50 Fuß, die jedes Flügels 96 Fuß. Die Baukosten, einschließlich des Bauplatzes, betrugen ca. 70,600 Thlr. und wurden, bis auf ein, aus Beständen der früheren Webeschule etc. gebildetes Kapital von 4535 Thaler aus dem Erlöse von Stadt-Obligationen bestritten. Gegen Ende des Jahres 1861 hatte die höhere Webeschule 31, die Fabrikmuster – Zeichenschule 13, die Provinzial-Gewerbeschule 90 und die Handwerker – Fortbildungsschule 60 Schüler.

Diesem Gebäude gegenüber, in dem von der Wupper begränzten Thale, breitet sich das städtische Grundstück: das „Brausenwerth“ in der Größe von 3 Morgen 107 Ruthen aus. Es wird großentheils als Bleiche benutzt und gewährt, von unserer Straße aus gesehen, einen recht freundlichen Anblick. Hier befinden sich die Gebäude des städtischen Schlachthauses und Leihhauses und der Gasbeleuchtungs-Anstalt mit zwei ansehnlichen Gasometern von 56,000 resp. 12,000 Kubikfuß Inhalt.

Schlachthaus. – Leihhaus. – Schluß des Stadtbezirks.

Der Bau des städtischen Schlachthauses wurde im Jahre 1829 vollendet. Dasselbe ist im modernen Style von Bruchsteinen zweistöckig errichtet und bildet einen Rectangel mit vorstehender Einfahrt, die mit einem Fronton geziert ist. Das Erdgeschoß ist 20 Fuß hoch und enthält eine auf 28 Dorischen Säulen überwölbte Schlachthalle, mit 6 Unterabtheilungen für Ställe, und in dem Vorbau das Verwaltungszimmer und das Treppenhaus. Die obere Etage ist 13 Fuß hoch und enthält 30 Stuben für das Leihhaus und die resp. Verwaltungen. Außerdem sind auf dem Dachboden noch eben so viel Kammern eingerichtet.

Die Baukosten des Schlachthauses und der innern Einrichtung und Ausstattung desselben mit den nöthigen Utensilien haben den Betrag von 30,848 Thlr. erfordert. Die Räume des Schlachthauses sind jetzt dem hiesigen Metzgervereine für 300 Thlr. jährlich verpachtet. – Das Leihhaus befindet sich, wie schon eben angedeutet, jetzt in dem oberen Theile des Schlachthauses. Es besteht schon seit dem Jahre 1821, und seine Ueberschüsse sind statutmäßig zum Besten des städtischen Waisenhauses bestimmt. Diese Ueberschüsse sind nicht unbedeutend; sie betrugen seit dem Bestehen der Anstalt bis zu Ende des Jahres 1861 58000 Thlr.; indessen hat in dem Gemeinde-Etat für 1862, – weil dem Leihhaus-Fonds die Pension eines Leihhaus-Beamten mit 300 Thlr. zur Last gefallen ist, auch einige Gehaltserhöhungen der Leihhaus-Beamten, im Gesammtbetrage von 100 Thlr. eingetreten sind, der Betrag von 977 Thlrn. als muthmaßlicher Ueberschuß ausgeworfen werden können.

Verfolgen wir nun den von uns betretenen Weg noch auf eine kurze Strecke, so kommen wir zur Kluse. Hier hört das Stadtgebiet auf, indem die Sluse schon dem Landbezirke angehört und wir bis zur Haspelerbrücke, von der wir ausgegangen sind, das Terrain der eigentlichen Stadt nicht mehr berühren. Wir hätten demnach unsere Wanderung durch die Stadt Elberfeld vollendet und wenden uns nun dem Landbezirke zu.

Die Kluse vor 30 Jahren.

Wir werden hier, das sehen wir voraus, nicht, wie in der Stadt, alle Straßen und Wege verfolgen können, und das möchte auch, wenn es geschähe, vielfach langweilig und ermüdend werden, da uns wohl nicht überall Interessantes oder Neues vorkommen dürfte. Wir werden daher mitunter genöthigt sein, im Geist Berg und Fluß zu überspringen und uns zu versetzen, wohin es uns beliebt. Indessen denken wir doch hierbei im Ganzen eine gewisse Ordnung nicht außer Acht zu lassen.

Vor uns liegt also die Kluse. Unsere jüngeren Begleiter wollen ein wenig verweilen, um uns älteren Mitwanderern, denen sich bei dem Namen Kluse manche alte liebe Erinnerung aufdrängt, Muße zu gönnen, diesen dunkeln, schattigen – Waldweg, welcher in unserer Vorstellung sich hier so einladend vor uns aufthut, durchschreiten zu können. Lüstet sie’s, so dürfen sie sich uns auch anschließen. Hier eben, an dieser Stelle fing der Wald an, im Geiste schauen wir ihn noch, dessen Ende links sich bis in die tief unten liegende Bleiche, und dessen Länge sich bis an den „Kluser Kopp“, eine Bergkuppe, dicht am Bendahl oder der Barmer Gränze erstreckt.

Also es geht zur „Kluse“. Der Weg, von Buchen überwölbt, senkt sich ziemlich schroff bergab, und ist an einer Stelle, wohin wir jetzt gleich gelangen, wenigstens für Kinder fast gefährlich, weil er hier zugleich bedeutend schmaler ist. Es heißt hier „an der Wage“, eine Benennung, die nicht von ,wiegen“ oder „wägen“, sondern von „wagen“ abgeleitet sein will. Die Wupper fließt unten dicht am Fuße des Waldes vorbei, und wird von den übergebogenen Bäumen überschattet, so daß einem fast schauerlich zu Muthe wird. Der Sage nach soll an dieser Stelle die Tiefe der Wupper nicht zu ergründen sein; wohl nur ein wohlgemeintes Warnungs- und Schreckmittel für Kinder!

Gedenken wir aber noch des „Zwergenlochs“, einer kleinen Höhle, welche zwar von hier aus nicht sichtbar ist, da sich in dem Felsen unseres Weges, unten, am Ende der Bleiche und nur einige Fuß höher als diese, ihre Oeffnung zeigt, die aber unter unsern Füßen hinläuft, wenn es anders wahr ist, daß sie einige Länge hat. Noch wenige Schritte und wir befinden uns in einer wild – romantischen, felsigen Thalschlucht, und sehen zur Rechten einen etwa 3 oder 3 1/2 Fuß hohen und ebenso langen und breiten, von 4 Steinen zusammengesetzten Wasserbehälter, welcher, außer bei langer Dürre, immer frisches Wasser enthält. Etwas weiter rechts in die Schlucht hinein gewahren wir auch in dem bemoosten Gestein eine Quelle, deren Wasser sich mit dem überfließenden des Behälters vereinigt, und quer über den Weg durch einen breiten Eingang zur Wupper in diese fließt, wodurch also unser Weg in zwei Hälften getheilt wird. So tief ist das Thal, daß die Wupper bei etwas hohem Wasserstande hier beinahe in den Weg tritt.

Die Kluse damals und jetzt.

Still und traulich ift’s hier; Vergißmeinnicht-Blümchen stehen in Fülle da und erblühen hier besonders üppig; auch Nachtigallen fehlen nicht. Aber Eins noch gehört dazu: — das „Wuppermännchen“ grüßt uns! Ein altes, freundliches Männchen mit seiner eben so alt scheinenden Frau; beide, reinlich gekleidet, wandern mit steinernen Krügen beladen von früh Morgens bis spät Abends tagtäglich unausgesetzt hin und her, um ihre mitleidigen Kunden mit frischem Klusensprung-Wasser zu bedienen. Es wäre ein Wunder gewesen, wenn uns die Beiden nicht begegnet wären. – Von hier gehts wieder in die Höhe bis an den Fuß des „Kluser Kopps“. Doch – wir finden uns kaum noch zurechte. Der Wald ist verschwunden, der „Klusensprung“ ist überbaut, das Thal ist ausgefüllt, die Eisenbahn geht darüber hin! Nur der „Klusenkopp“ und das Gewölbe, welches als Durchlaß des Wassers unten an der Wupper im Gemäuer sich zeigt, geben uns die Richtung an und deuten auf die verschwundene ehemalige Romantik. Wehmuth ergreift uns, Kehren wir um!

Wir sind wieder in der Gegenwart; die Kluse, wie sie jetzt ist, liegt vor uns. Auch sie hat ihre Reize, ihre Vorzüge. Sie ist ein mehrfach durchbrochenes ländliches Terrain mit verschiedenen Anbauten, welches an dem Uebergange über die Eisenbahn in der Ronsdorfer Straße, wo sich die Maschinen-Werkstätte der bergisch-märkischen Eisenbahn befindet, anhebt. Gleich vorn, wo sich der Weg in der Klufe von der Ronsdorfer Straße scheidet, erblickt man auf einer kleinen Anhöhe rechts das Gesellschafts- und Schieß – Lokal der Schützengilde mit seinen hübschen Gebäude- und Garten-Anlagen. Diese Schützengesellschaft, ursprünglich bei Errichtung der Bürgerwehr im Jahre 1848 als ein besonderes Corps derselben gebildet, vereinbarte nach Auflösung der letzteren im Jahre 1849 für sich besondere Statuten und erfreut sich fortwährend zahlreicher Theilnahme. Gleich hinter dieser Anlage, etwas höher liegt die hübsche, neue Sommerwirthschaft der Frau Wtb. Sickert, auch mit weiter Aussicht über die Stadt und Gegend. Wir aber bleiben auf unserm Gange in der Kluse.

Kluserbusch. – Distelbeck. – Arbeiterwohnungen.

— Zur linken Seite die Eisenbahn und die Wupper mit den an derselben gelegenen Färbereien, die sich besonders durch ihre hohen Schornsteine bemerklich machen, rechts von zum Theil buschigen Höhen und einzelnen Häusern eingeschlossen, führt uns ein schöner Weg bis an die diesseitige Gränze der Ober-Bürgermeisterei Barmen. Von diesem Wege führt an der sogenannten Wolkenburg – einer Wirthschaftsanlage des Brauerei-Inhabers, Herrn J. A. Wülfing ein Uebergang über die Eisenbahn thalabwärts in die, mit Wohnhäusern, Färberei- und sonstigen gewerblichen Anlagen bebaute Kluser Straße, an die sich demnächst die , Mauer“ – eine kurze Straßenstrecke, an deren Ausgang das schon zur Gemeinde Barmen gehörende Bendahl liegt, – anschließt. Wir folgen aber ferner dem früher betretenen, höher gelegenen Wege, wenden uns ungefähr zu Ende desselben rechts durch den Kluser Busch und gelangen so auf einem durch Busch und Feld mäßig ansteigenden Wege auf die neue Ronsdorfer Chaussee. Es ist hier an derselben eine Ruhebank aufgestellt. Die Stelle, dazu ist sehr angemessen gewählt, nicht nur, weil die von unterhalb etwas steil ansteigende Straße hier ihren Höhepunkt erreicht, sondern auch, weil sich hier eine besonders schöne Aussicht über das ganze Wupperthal darbietet, die wir der Aufmerksamkeit der Natur: freunde empfehlen können. Ueberhaupt gewährt diese. Straße, von der Distelbeck bis zur Gränze der Gemeinde Elberfeld, in der Böhl, durch ihre Lage an einem buschigen Abhange und ihre mannigfaltigen Abwechselungen in der nähern oder fernern Umgebung einen angenehmen Spaziergang. Etwas abwärts‘ von unserer Stelle befinden sich die Häuser der Brauerei – Inhaber Herrn Hermes und Herrn Wickühler in der Distelbeck, von wo aus ebenfalls sich dem Auge ein schöner Genuß bietet, indem besonders die Stadt sich dem Anblicke unverschleiert barstellt. Weiter nach unten, wo der Weg in der Richtung nach der Eisenbahn die Ebene durchschneidet, bemerken wir zu beiden Seiten desselben Gruppen von kleinen Häusern, die wegen ihrer gleichmäßigen, gefälligen und modernen Form unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Es sind dies Wohnhäuser, die ein im Jahre 1858 von hiesigen Bürgern gebildeter Verein für die Beschaffung billiger und zweckmäßiger Arbeiter- und Handwerker-Wohnungen hat erbauen lassen, um sie, unter Zugabe eines Stückchen Landes bei jedem Hause, von etwa 1/2 Sechszig, zur Benutzung als Gemüsegarten, gegen mäßige Miethe an Weber, Fabrikarbeiter etc.. zu verpachten, und das durch dem fühlbaren Mangel an solchen Wohnungen einigermaßen zu begegnen. Ein willkommener Anfang, dem weitere Folge zu wünschen ist!

Grifflenberg. – Vor’m Holz. – Langenfeld. – Obere Steinbeck.

Links von unserm Wege geht die Distelbecker Straße an Häusern und Gärten vorüber; sie endet am Grifflenberg, wo die Eisenbahn wieder einen Uebergang zwischen diesem und dem Islande, hat. Der Grifflenberg umfaßt eine geringe Anzahl von Häusern aus der zum Landbezirke gehörigen Section H., wozu auch noch einige Häuser aus der zum Stadtbezirke gehörigen Section E. kommen. Der fremde Besucher glaube aber nicht etwa, der Name Grifflenberg schreibe sich von dem, links an der Straße sich erhebenden runden Hügel her; denn dieser ist ein Product aus neuerer Zeit von Menschenhånden, die bei dem Bau der vorbeiführenden Eisenbahn thätig waren und die überflüssige Erde hier aufschütteten. Es müssen übrigens wohl Anstände vorhanden sein, diesen so zwecklos dastehenden, nur die Aussicht versperrenden Hügel in irgend einer Weise nutzbar machen zu lassen, sonst wäre daraus wohl ohne Zweifel manches Nützliche und Schöne zu schaffen!

Vom Grifflenberg führt ein gut gebauter Vicinalweg zwischen Häusern und Feldern nach einer still freundlichen Partie, „vor’m Holz“ genannt. Hier befindet sich wieder eine philantropische Anstalt, indem die lutherische Gemeinde auf einem, im Jahre 1859 zu diesem Zwecke von ihr angekauften schönen Landgute mit geräumigen Gebäuden, eine Rettungsanstalt für verlassene Kinder errichtet hat, die segensreich wirkt. Gegen Ende 1861 befanden sich 29 Kinder in dieser Anstalt.

Es führen von hier nach verschiedenen Seiten Wege und Pfade, die besonders zu Spaziergängen geeignet sind. Auf einem dieser Wege gelangen wir zur Kölner Straße (dem Wege nach Kronenberg), und hier haben wir zunächst der Langenfelder Schule zu erwähnen, die im Jahre 1846 neu erbaut worden ist und anschlagsmäßig 9641 Thlr. gekostet hat. Es ist dies jetzt die (evang.) Freischule III mit 1 Lehrer, 5 Hülfslehrern und 632 schulbesuchenden Rindern. Etwas weiter, in der obern Steinbeck, deren Häuser rechts und links die Straße einschließen, befindet sich die kirberg’sche Bade-Anstalt, die zweck mäßig eingerichtet ist und viel besucht wird. Die Kölner Straße geht nun durch weniger dicht bewohnte ländliche Bezirke über das Hahnerfeld und den Hahnerberg nach Kronenberg. Am Hahnerfeld befindet sich eine Schule, deren Gebäude im Jahre 1829 errichtet und im Jahre 1840 durch den Anbau einer Lehrerwohnung erweitert worden ist. Die Baukosten betrugen überhaupt 4695 Thlr. Die Schule hat 1 Lehrer, 1 Hülfslehrer und 292 schulbesuchende Kinder.

Hahnerfeld. – Küllenhahn. – Untere Steinbeck – Neues Krankenhaus.

Wie von der Höhe des Hahnerfeldes und des Hahnerberges, die 628 Fuß höher liegen, als der Wupperspiegel im Brausewerth, sich ringsum eine schöne Aussicht bietet, so ist dies auch am Küllenhahn der Fall, wohin von der Kölner Straße ein Seitenweg rechts ab führt. Wir erwähnen diese, die Elberfelder Gränze nach Kronenberg schon überschreitende Häusergruppe, wo auch eine gute wirthliche Aufwartung zu finden ist, hier hauptsächlich deßhalb, weil von Elberfeld aus häufig dahin Ausflüge gemacht werden und wir den schönen Weg durch Feld und Busch zu unserer Rückehr nach Elberfeld benußen wollen. Wir gelangen so in der unteren Steinbeck wieder an. Da wir – diese Gegend schon früher berührt haben, so schlagen wir den Weg nach dem Arrenberg ein. An dem von der Hauptstraße abzweigenden Wege finden wir einige Gebäude, die uns die wackere Menschenfreundlichkeit Elberfeld’s wieder lebhaft vor Augen führen. Zuerst zieht das rechts an diesem Wege liegende, im Bau fast vollendete neue städtische Krankenhaus nebst dem dabei befindlichen städtischen Irrenhause, welches letztere im Jahre 1862 seiner Vollendung entgegen sieht, unsere Aufmerksamkeit auf sich. Beide Gebäude find mit dem sogleich näher zu berührenden städtischen Waisenhause nicht blos Denkmale des hiesigen Wohlthätigkeitssinnes, sondern auch äußere Zierden der Gegend. Das im Rundbogenstyl erbaute Krankenhaus hat 242 1/2 Fuß Länge und besteht aus einem, 57 1/2 Fuß breiten und 77 Fuß tiefen Mittelbau, an den sich zu beiden Seiten Anbauten von je 57 1/2 Fuß Länge und 49 Fuß Tiefe anschließen, denen wieder Seitenflügel folgen, von welchen jeder 71.42 Fuß lang und 35 Fuß tief ist. Die Baukosten betragen anschlagsmäßig 100,000 Thlr. Das neben dem Krankenhause liegende, zu 23,700 Chlr. veranschlagte Irrenhaus ist 83 Fuß lang und 50 Fuß tief und hat an beiden Seiten Portale von 20 Fuß länge und 15 Fuß Breite. Es hat drei Stockwerke und ein Kellergeschoß. Das ganze Erdgeschoß und die halbe erste Etage find für die weiblichen, und die andere Hälfte der ersten Etage, so wie das ganze zweite Geschoß für die männlichen Irren bestimmt. Sämmtliche Etagen sind durch zwei steinerne Haupttreppen zugänglich.

Irrenhaus. – Städtisches Waisenhaus. – Vor’m Arrenberg. – Kießberg.

Weiterhin liegt zur linken Seite unseres Weges das Prachtgebäude des städtisches Waisenhauses. Es wurde in den Jahren 1851 bis 1854 erbaut, bildet in dem Hauptbau und seinen beiden Flügeln eine Fronte von 144 Fuß und hat einschließlich des 10 Fuß hohen Daches, vom Sockel an gerechnet, eine Höhe von 54 Fuß. Es ist im Rundbogenstyl von Bruchsteinen aufgeführt und besteht aus dem Erdgeschosse und zwei Stockwerken. Die inneren Räume sind auf’s Zweck mäßigste eingerichtet und ausgestattet. Das zu dem Bau erforderliche Terrain ist von dem nun verstorbenen Rentner Hrn. P. de Weerth unentgeltlich hergegeben worden, und die Bau- und Einrichtungskosten haben 57,929 Thlr. betragen. Am 22. April 1854 wurde das Gebäude seiner Bestimmung übergeben. Es befanden sich zu Ende des Jahres 1861 darin 270 Pfleglinge.

Dem Waisenhause in schräger Richtung gegenüber liegt die Arrenberger Elementarschule, die 1 Lehrer, 2 Hülfslehrer und 388 schulbesuchende Kinder zählt, und etwas weiter abwärts die von Dreden’sche Kaffeewirthschaft, die von der Stadt aus viel Zuspruch findet. Dann folgt die geschlossene Häusergruppe des Arrenberges oder, wie der Bezirk eigentlich genannt wird, „vor’m Arrenberg“. Es ist eine stille, freundliche Gegend, die besonders von einiger Entfernung aus ein recht trauliches, idyllisches Ansehen hat.

Wir könnten nun den Weg, auf dem wir uns gegenwärtig befinden, noch weiter verfolgen, könnten auch den nahebei liegenden Kießberg besteigen, der 452 Fuß höher ist, als der Wupperspiegel im Brausewerth, und würden von seiner Krone aus eine bedeutende Fernsicht, namentlich nach der Rheingegend hin, gewinnen; aber wir müssen, auch noch andere Excursionen machen und versetzen uns daher nach dem westlichen Eingange der Stadt, um zunächst die Düsseldorfer Straße zu begehen.

Am Westende. – Stockmannsmühle. – Viaduct. – Sonnborn.

Diese, in den Jahren 1830 bis 1833 trefflich gebaute, eine reizende Thalebene zwischen dem Kießberg und dem Nützenberg durchschneidende Chaussee, gewährt mit ihren ziemlich breiten, baumbepflanzten Seitenwegen einen besonders schönen Spaziergang. In der Nähe der Stadt, und auch weiter an der rechten Seite des Weges befinden sich hübsche Anbauten, unter welchen sich das Haus des Brauerei-Inhabers Hrn. Gust. Küpper am Westende auszeichnet.

Das Haus enthält neben anderen Wirthschaftsräumen einen großen, schönen Saal. Hinter dem Hause befindet sich ein langer, in den Nützenberg gehender bedeutender Felsenkeller und ein schöner, mit Bäumen, Lauben 2c. bestandener Garten, der sich terassenförmig an den Nützenberg lehnt.

Die Düsseldorfer Straße geht weiter durch die Vogelsaue, eine Gruppe von Häusern, bis an die Stockmanns-Mühle, wo der Weg auf Düsseldorf, der zunächst nach Mettmann, rechts abgeht, während die gerade fortgehende Straße auf Solingen, zunächst aber dem Kirchdorf Sonnborn zuführt. An dem Eingange von Sonnborn nehmen wir schon von der Düsseldorfer Straße aus einen prächtigen, auf 6 massiven Bogen ruhenden Viaduct wahr, der die Eisenbahn von der Elberfelder Seite über einen Thalgrund und die Wupper auf die Sonnborner Höhe führt.

Somit sind wir derselben Stelle nahe gekommen, die wir vorhin an der Villa Steinbeck aus größerer Entfernung erblickten, dem Thore zum Rheinlande, der porta Rhenana, wie man sie neuerdings, unser Thal als ein solches Gränzstück zwischen Westphalen und Rheinland betrachtend, nicht unpassend genannt hat. Von dem schönen, modernen Werke der Menschenhände abgesehen, nimmt indeß von den mehr östlicheren Höhen, zumal bei günstiger Abendbeleuchtung, diese Thalschlucht fich herrlicher aus, als hier oder in noch unmittelbarerer Nähe.

Wir könnten dagegen einen recht interessanten Abstecher nach und durch Sonnborn machen, namentlich um uns die historische Stelle „am Todtenberge“ und den an einen Religionscultus unserer heidnischen Voreltern erinnernden ,,Sonnborn“ zeigen zu lassen, welches beides wir in den Geschichtsabschnitten unseres Buches näher kennen lernen werden. Es liegt das jedoch diesmal nicht in unserem Plane.

Varresbeck. – Brill – Niederl. ref. Kirchhof.

Wir schlagen daher bei der Stockmanns – Mühle den rechts abführenden Weg ein, um für unsern Rückweg nach Elberfeld zum Nützenberg zu gelangen. Bald erreichen wir auf einem hübschen Wege mit manchen Abwechselungen den rechts abgehenden Nützenberger Weg, welcher bis zu den dreißiger Jahren die von uns eben begangene Chausseestrecke von hier über Stockmanns – Mühle bis Elberfeld vertrat. Hier finden wir die Varresbeck, eine viel besuchte Kaffeewirthschaft. Weiterhin, auf dem eigentlichen Nützenberg, liegt die nach diesem benannte Schule, die 1 Lehrer und 130 schulbesuchende Kinder hat. Der Weg über diesen Berg ist meistens zu beiden Seiten von Gebüsch eingeschlossen und daher besonders im Sommer recht angenehm. Auch gewährt, wo das Gebüsch nicht zu dicht ist, seine ganze südliche Seite schöne Ausfichten, was namentlich an einer, der Vogelsaue gegenüber liegenden Stelle (der Kampermann’schen Kaffeewirthschaft), der Fall ist, die deßhalb auch „schöne Aussicht“ genannt wird. Man hat von hier einen freien, klaren Blick in das tief unten gelegene, von der Wupper durchwundene liebliche Thal, auf seine Häuser, Gärten und Felder und auf das mannichfaltige Leben darin, so daß man, von dem schönen Anblick gefesselt, die Stelle nur ungern wieder verläßt. Unterhalb, in der Nähe der Stadt, senkt sich der Nützenberger Weg, und er führt uns dann am Brill auf die Nevigeser Chaussee. Der Brill ist eine viel besuchte, anständige Schenkwirthschaft. Dem Hause schließt sich ein schöner, großer Garten an, in welchem sich das allerliebst gestaltete und die Gegend zierende Lokal der im Jahre 1834 gegründeten Schützengesellschaft am Brill, welche dort ihre Schießübungen, Bälle, Concerte und geselligen Zusammenkünfte hält, befindet.

Die Nevigeser Chaussee, in den Jahren 1833 bis 1835 auf Kosten der Bürgermeistereien Elberfeld und Hardenberg ausgebaut, war bis zum Jahre 1859 Eigenthum dieser Gemeinden, wurde aber dann vom Staate übernommen. Es ist eine schöne, zu beiden Seiten mit Bäumen bepflanzte Straße, die nicht nur von dem Verkehr auf derfelben, sondern auch von den Bewohnern der vielfach angebauten Häuser belebt wird. Nicht weit vom Brill führt der in den Jahren 1848 bis 1850 schön ausgebaute, 24 Fuß breite Katernberger Communalweg links von ihr ab. An diesem, mäßig ansteigenden Wege, zur Linken, liegt der am 20. August 1851 eingeweihte Kirchhof der niederländisch-reformirten Gemeinde. Es ist ein, 4 Morgen 5 Ruthen großer, frei nach Osten blickender Platz, schmuck und sauber, aber ganz einfach.

Katernberg. – Hülsbeck. – Wüstenhof. – Mirke.

Der Weg nach dem Katernberg führt durch romantische Partieen. Busch und Feld wechseln häufig ab, und die Höhe gewährt manche schöne Aussicht. Die im Jahre 1859 gebaute neue Schule zu Katernberg hat 6388 Thlr. gekostet. Sie hat 1 Lehrer, 1 Hülfslehrer und 227 schulbesuchende Kinder.

Wir wenden uns von diesem Wege der Hülsbeck zu und gelangen so wieder zur Nevigeser Chaussee, die ebenfalls in reicher Abwechselung durch Busch und Feld bis zur „Gränze“, dem Endpunkte des Elberfelder Gebietes, führt. Aus der Hülsbeck führt rechts der Dorrenberger Weg ab, auf dem wir zu den neuen Kirchhöfen der reformirten, lutherischen und katholischen Gemeinden gelangen.

Die Kirchhöfe der reformirten und der lutherischen Gemeinden, 16 Morgen resp. 10 Morgen 27 Ruthen groß, wurden im Jahre 1842, jener der katholischen Gemeinde, der eine Größe von 5 Morgen hat, im Jahre 1845 eingeweiht.

Diese stillen Gestade, an welchen die Wellen des menschlichen Elendes sich brechen, und hinter denen das Morgenroth der Ewigkeit aufsteigt, haben eine schöne Lage und eine würdige Ausstattung. *)

*) Der Verfasser obiger Zeilen, Herr Carl Coutelle, ruht nun auch schon auf diesen „stillen Gestaden.“

An der, auf die Stadt zu liegenden Seite des reformirten Kirchhofes führt uns ein Fußweg nach der Mirke. . Zunächst aber kommen wir auf diesem Wege zu dem Wüstenhof, einer Gruppe von etwa 15 ländlichen Häusern. Das Lokal der hier befindlichen Schule war früher ein angemiethetes; im Jahre 1859 aber wurde hier eine neue Schule erbaut, die 10,855 Thlr. gekostet hat. Es wirken an derselben 1 Lehrer und 3 Hülfslehrer und es zählt dieselbe 380 schulbesuchende Sinder.

Die Mirke ist ein schöner ländlicher Bezirk, durch den die Chaussee von Elberfeld nach Sprockhövel, Hattingen etc.. führt. Nicht weit von dem angrenzenden Stadtbezirke liegt etwas zur Linken die schöne und zweckmäßig eingerichtete Badeanstalt des Herrn W. Teschemacher, die das Wasser zur Speisung der Badeteiche von herzufließenden Bergwässern aus der ersten Hand empfängt und viel besucht wird. —

Uellendahl. – Abschied

Unser Weg führt uns weiter hinauf, an Häusern, Gärten und Feldern vorüber, durch eine liebliche, belebte Gegend, die nach mehreren Seiten zu Spaziergängen einladet. Wir beenden den unsrigen zu Uellendahl, wo wir noch der im Jahre 1843/44 erbauten Schule, zu der 1 Lehrer, 1 Hülfslehrer und 260 schulbesuchende Kinder gehören, zu erwähnen haben.

Von hier könnten wir zwar unsere ländliche Promenade fortsetzen, um den Kreis derselben um die Stadt zu vollenden; doch würde uns nichts von besonderer Bedeutung mehr vorkommen, und wir würden auch auf Punkte stoßen, die wir schon bei der Begehung des Stadtbezirkes berührt haben.

Wir schließen daher unsere Excursion und nehmen von dem geneigten Leser, der uns auf derselben begleitet hat, freundlich Abschied.

Anonymer Elberfelder Bericht über den „Knüppelrussenaufstand“

StA Wuppertal, S XI 12
Entnommen aus: Tania Ünlüdag, Historische Texte aus dem Wupperthale. Quellen zur Sozialgeschichte des 19. Jahrhunderts, Wuppertal 1989.

31.01.1813

Nach drei unruhigen und gefahrvollen Tagen, erlaubt es mir die gestern Abend eingetretene Ruhe, Ihnen Herr Prokureur die seltsame mit mancherlei Verbrechen verpaarten Auftritte anzuzeigen, welche in dieser Zeit stattgehabt haben.

Schon einige Tage vorher langte die Nachricht über verschiedene Widersezlichkeiten, welche gelegenheitlich der Konscription in den umliegenden Orten statt gehabt hatten, hier ein; doch da die Konscription in hiesiger Stadt ruhig vorbei gegangen war, kein böser Geist unter dem hiesigen Volk sich hatte blicken lassen, so vermuthete niemand einen Auftritt der Art in hiesiger Stadt, noch viel weniger, daß es auswärtigen Horden einfallen würde, den hiesigen sehr friedlichen Kanton mit einem Ueberfall heimzusuchen, daher der Abgang jeder Vertheidigungs Anstalt.

Vorigen Donnerstag den 28ten dieses verbreitete sich erst das Gerücht, es seyen Insurgenten im Abzug, doch diesen Namen verdient eine zusammen gelaufene Bande von wahrem Lumpengesindel nicht, welche ohne Zweck und Plan ohne eigentlichen Anführer durch die Ortschaften zog; wircklich rückte gegen Mittag diese Bande von der Kronenberger Chausee her, auf die Stadt an, vor dem Eingang derselben hielten sie sich etwa eine Viertelstunde auf, um wie selbe sagten, ihr sämtliches Volck an sich zu ziehen, bei deren Vortrag ich daselbst mehrere Kronenberger und Sohlinger Gesichter erkannte, und erhielt auf meine Anrede, in welcher Absicht sie hierhin gekommen seyen, die Antwort, sie wolten niemand etwas zu Leide thun, sie giengen nach Werden um die Tabacksgefangene Los zu machen, und nach Eßen, um sich Gewehr zu verschaffen, von der Stadt verlangten sie nur Beköstigung für heute und eine Unterstüzung für Waffen.

Die erschrockene Bürgerschaft, welche ungefähr 500 mehr oder weniger bewafnete Unruhestifter [vor sich] sah, und deren noch weit mehrere [nach Angabe 1500] erwartet würde im ersten Schrecken alles zugestanden haben, wenn nicht die Vorgesezte der Stadt die Anforderung der Waffen mit Ernst zurück gewiesenhätten. Der Zug gieng nun auf das Rathhauß, woselbst ein eingefangener Vagabund befreiet wurde, eine Tabacks Debitantin hatte man beim Anmarsch entlassen und einen dritten Arrestat Ließen die Rebellen auf die Vorstellung, daß er ein Dieb sey, in Verhaft. Im Rathhaußsaal erschiene nun ein mit Pistolen einer Büchse und Säbel bewafneter Mensch, welcher sich als den Kommandanten zugleich als einen höchst einfältigen Menschen darstellte, und vorläufig die Bequartirung seiner Mannschaft, in der Zahl etwa 500 verlangte, welche unter der bedingung statt hatte, daß der Trupp Tags nach her ausziehen solle. Dieser Anführer heißt Hammerschmitt genannt Schottländer. Nach einigen Stunden der Ruhe, während die Unruhstifter mit Essen beschäftiget wurden, fing der Tumult in den Gassen mit Schiessen Schreyen p.p. von neuem an, sodann plünderten die Rebellen in Läden der Tabacks Debitanten den vorhandenen Taback, zerschlugen die Schilder p. wahrscheinlich würde bei dieser Gelegenheit noch mehr geraubt worden seyn, wenn nicht durch das Ansehen und die Vorstellungen der überall hinzu eilenden Magistrats Personen, und sonstige Honorationen, wenigstens den gröbsten Exzessen Einhalt geschehen wäre. – Einzelne Trupps machten noch sonstige Anforderungen in Privathäusern, Ließen sich jedoch mit Kleinigkeiten abspeisen, überhaupt hatte keine Plünderung oder besondere Konkusion statt. Gegen Abend versammelte sich ein Rotte vor dem Hause des Herrn Maire Bredt und forderte mit Ungestümm die Stadtfahne welche aber standhaft verweigert wurde:

Die Nacht verstrich nach den Umständen ziemlich ruhig, andern Morgens verlangte man der bedingung gemäß, den Abzug der Trupp, wozu der Kommandant zwar ziemlich, keineswegs aber der Trupp willig waren. – Die Ruhestöhrer versammelten sich auf dem Marckt und Ließen nun Gewehre, Pulver, blei verlangen. Auf dem Gemeindehauße machte nun ein gewisser Deverennes Wirth aus Wald den Sprecher und Oberkommandanten, dieser forderte hartnäckig die Conscriptions Listen, Geld und Waffen. Standhaft wurden diese Anforderungen von der Mairie verweigert, doch soll der Deverennes von einigen reichen Privatpersonen, die nicht mehr als ein Blutvergießen fürchteten, wozu die Bürgerschaft jezt immer geneigter wurde, 200 Reichstaler erhalten haben, um seinen Abzug zu bewürcken, ehe dieser aber erfolgte, zog der Trupp vor das Hauß des Maire und drohte dieses zu stürmen, wenn nicht augenblicklich die Gewehr Pulver und Blei beigeschaft würden. Hier zeichneten durch Tumult und Drohungen sich aus ein gewesener Marcktgehülfe Namens Wachholder aus EIberfeld, welcher unter andern rief:

Wir verlangen keine Gewehr aus Barmherzigkeit, wir wollen sie mit Gewalt han! –

sodan ein Bursch von hier Namens Marten, welcher die Irup an das Hauß des Herrn Mair führte, und sich erbote die Häußer derjenigen zu zeigen, welche Gewehr hätten. Dieser Bursche war derjenige, welcher die fast zum Abzug disponirte Trupp vor das Hauß des Herrn Maire führte, um Gewehr und Munition zu verlangen.

Der Herr Maire bestande auf der Verweigerung, und viele gut gesinnte Bürger erbo ten ihren Beistand. – Aus Schrecken brachten jedoch einige Privatpersonen zwölf alte Gewehr zusammen, welche mit Konivenz des Maire den Rebellen gegeben wurden, doch hatte man die Vorsicht, vorab an jedem etwas zu verderben, so daß dasselbe für den Augenblick nur als Prügel dienen konnte.

Dieser Trupp zog endlich ab. mehrere Trupps von Remscheid, Lennep, Lüttringhausen, Hückeswagen, Schwelm durchkreuzten mittlerweil mit Fahnen und Musick die Stadt; man kann die Anzahl sämtlicher Rebellen, welche den 29ten Mittags in der Stadt waren auf 1200 bestimmen, wovon jedoch der größte Theil keine oder schlechte Waffen führte, auch ohne besondere andere Anforderung als zu Essen, am Nachmittag abzog. Dieser Augenblick wurde benuzt, einige Deputirte an das Ministerium zu senden, um den Verhalt des Vorgangs darzustellen, und einige Kavaleristen zur Unterstüzung der Bürgerschaft zu erbitten. –

In der darauf folgenden Nacht hatte sich die Bürgerschaft aber auch versammelt, und zur Gegenwehr vereinigt. – Auch hatte man schon die Versicherung erhalten, daß ein Trupp Kavallerie zur Mittagszeit einrücken würde.

Andern Morgens erhielte der Herr Maire von den nun in Barmen versammelten Rebellen eine schriftliche Anforderung der Conscriptions Listen, weil nun diese nicht gegeben wurden, so rückte ein Haufe von 500 bis 600 Mann wieder ein, besezte den Marckt und das Rathhauß, und forderte mit großerm Ungestüm wie jemals unter Drohungen die Conscriptions Listen, Pulver Blei und Gewehre. Mit Verweigerungen und Versprechungen wurden die Rebellen aufgehalten, bis gegen Mittag 50 Kavalleristen plözlich einrückten, und den Haufen unversehens überfiel, die Bürgerschaft nahm nun auch thätigen Antheil am Gefecht, daher bedurfte es nur einer Viertelstunde, um die ganze Horde auseinanderzutreiben, welche über den unerwarteten Anfall erschreckt, nur wenig Widerstand Leistete, hierbei wurden 42 gefangen, worunter der vorerwähnte Märten, Leider aber keiner der beiden Haupt Rädelsführer ist, die sich durch schnelle Flucht retteten, jedoch wohl nicht lange verborgen bleiben können.

Hiermit hatte diese Rebellion ein Ende, welche mehr eine Räuberei, als politische Umwälzung zu intendiren schien. Geld und sonstige Anforderungen sind in mehreren Privathäußern gemacht worden, die mir zum Theil noch nicht bekannt, doch sind selbe mehrentheils durch Vorstellung oder Drohung abgewiesen worden, der Haufen schien seine Forderungen zur Zeit nicht übertreiben zu wollen, um den Widerstand nicht zu reitzen, doch bedurfte es der Abhülfe, indem sich sonst zwar keine Insurgenten Armee doch eine vollkommene und furchtbare Räuberbande organisirt haben würde.

Von Elberfeldern haben so viel bisher [bekannt] geworden, nur fünf Burschen an dem Tumult Theil genommen, von welchen Merten, Bens[] und Vogelsang, Lezterer schwer verwundet, [eingefan]gen worden sind, Wachholder aber ohne [Zweifel] eingefangen werden wird.

Da zur Zeit kein spezielles Gericht [der] Vorgänge wegen organisirt, so mache ich [Ihnen] hiervon zur kriminellen Verfolgung der [] mit dem Bemercken Bekannt, daß [die] Eingefangene unmittelbar nach Düßeldorff [] Transportirt worden sind, zugleich [] ich Ihnen das Signalement der Beiden [] Hammerschmitt und Deverennes,und Bitte [um Ver]sicherung meiner ganz besondern |]

[Bericht bricht hier ab]

Die Elberfelder Barrikade im Kladderadatsch

Am 20. Mai 1849 erschien in der Satirezeitschrift Kladderadatsch eine Karikatur zum Elberfelder Aufstand mit den folgen Zeilen:

„In Elberfeld haben viele tausend Mann
auf die Reichsverfassung geschworen.
Der Tanz geht los! Der Feind rückt an!
Die Preußen stehn vor den Thoren!

In Elberfeld giebt’s harten Strauß,
und Prügel giebts nach Noten;
Die Preußen ziehn zur Stadt hinaus
Mit fünf drei Viertel Todten.

In Elberfeld geht’s lustig her:
Die Rheinischen Lazzaroni
Bau’n Barrikaden von Golde schwer,
von Silber und von Mahagoni.

Und all die blanke Herrlichkeit,
Bildsäulen, Spiegel und Lüstre,
Die liefert Herr Daniel von der Heydt
Der Bruder vom Handelsminister

Herr Daniel rauft sich das Haar und heult:
‚Weh! Wollt ihr mich denn nicht schonen?
ich habe ja an die Rebellen vertheilt
Schon an die tausend Patronen!‘

Da kömmt ein Proletarier her
und bietet ihm eine Prise
‚Wenn Ihr Bruder nur kein Minister wär‘!
Und wenn er nicht August hieße!!'“

 150 Jahre später weihte man am Ort der Barrikade eine Gedenktafel ein.

Tariff Trippers im Wuppertal: William Queen

William Queen aus Edinburgh war Distriktfunktionär der Fuhrleute-Gewerkschaft, Ex-Sozialist und 1910 Teil der „tariff trippers“, die Elberfeld und Barmen besuchten. Er schrieb zur Schwebebahn:

„[…]In Elberfeld war ich äußerst fasziniert von der Schwebebahn; die einzige dieser Art, die ich je gesehen habe. Bei dieser Bahn fahren die Wagen durch die Luft, aufgehängt an einem Einschienensystem. Ein anderer bemerkenswerter Aspekt in Verbindung damit ist die Tatsache, daß der Raum über dem Wasserlauf für den Zweck dieser Bahn genutzt worden war. Auf diese Weise wurde eine hohe Finanzaufwendung vermieden, die durch den Ankauf von Bodenflächen, den Abriß von Häusern, die Konstruktion von Brücken etc. entstanden wäre, wenn man die Bahn auf Mutter Erde hätte fahren lassen.[…].“

entnommen aus: Jürgen Reulecke, Bergische Miniaturen. Geschichte und Erfahrungen, hrsg. von Stephen Pielhoff, Essen 2010, S.237. 

In den Jahren 1846/47, also vor der Märzrevolution 1848, besuchte der englische Nationalökonom Thomas C.Banfield Deutschland und machte auch im Bergischen Land Station. Ein Auszug:

„Nähert sich der Reisende Elberfeld, dem Standort der Seiden- und Baumwollgewerbe, so bietet das Landschaftsbild völlig andere Züge als die benachbarte Grafschaft Mark, die wir gerade hinter uns gelassen haben. Hübsche Bauernhäuser mit kleinen Länderein füllen das ziemlich enge Tal. […] Die Fabriken werden fast ausnahmslos von Wasserkraft angetrieben. Sie sind daher folgerichtig entlang der Wupper, ihrem Gefälle entsprechend, angelegt. Zwischen ihnen stehen, oft ein oder zwei Meilen von der Fabrik entfernt, die Bauernhäuser. […]
Man muss gestehen, dass eine Arbeiterbevölkerung, die so verstreut auf dem Lande wohnt, einen erfreulichen Kontrast zu dem Anblick der schäbigen Siedlungen bietet, die am Eingang unserer [englischen, Anm.] Industriestädte anzutreffen sind.[…] Wir haben allerdings Zweifel, in der Hinsicht, dass der englische Arbeiter mit dem deutschen tauschen würde, wie idyllisch dem Fremden auch sein Wohnen erscheinen mag. „

Entnommen aus: Gerhard Huck/ Jürgen Reulecke: …und reges Leben ist überall sichtbar. Reisen im Bergischen Land um 1800. (Bergische Forschungen XV), Nuestadt/Aisch, 1978, S.228.

Ein französischer Adliger, der nach der französischen Revolution emigrierte und dann nach Elberfeld kam, weil ihm Düsseldorf zu unsicher geworden war, da die Franzosen das linke Rheinufer 1794 besetzten, schrieb in seinem sog. Neunten Brief:

Elberfeld muß damals [Anm.: bei Erhalt der Stadtrechte 1610] unstreitig Mauern und Thore gehabt haben; denn viele unter den noch jezt lebenden Bürgern, haben selbst noch ein Thor unter dem Namen Morianspforte gekennt, welche vor ohngefähr fünf und zwanzig Jahren erst ganz abgebrochen ist. […] Ein anderes Thor, die Feldpforte genennt, stand in der Gegend des Merkerbachs, und eine Straße ab demselben Wasser führt noch jezt den Namen, auf dem Walle.“

entnommen aus: Jürgen Reulecke, Bergische Miniaturen. Geschichte und Erfahrungen, hrsg. von Stephen Pielhoff, Essen 2010.

Ein französischer Emigrant in Elberfeld

1792/1793 schrieb ein französischer Emigrant:

„Vom Wielerhäuschen (diesen Namen führen einige Wirtshäuser und Bauernwohnungen) bis Elberfels, geht der Weg durch einen Wald, und sobals man aus diesem, den letzten Berg hinunterkommt, so erblickt man die Stadt in einem Thale, an und durch welches der so wohltätige Wupperstrom (eigentlich Wipper) hinfließt. Wer vorher die Menge der Häuser und die drei Kirchtürme nicht bemrkt hat, der glaubt in ein prächjtiges Dorf zu kommen. Denn die Stadt hat weder Mauern noch Thore. […]
Elberfeld, wo ich mich nun schon geraume Zeit aufgehalten habe, ist eine Stadt von ohngefähr 1100 Häusern, zwischen Bergen versenkt und größtentheils sehr gut bebauet. Sie scheint durch den beständigen Zug von Luft, den die Berge verursachen, ziemlich gesund zu seyn, und ist der Mittelpunkt der Fabriken und Manufakturen der beiden Herzogthümer Berg und Jülich.“

entnommen aus: Jürgen Reulecke, Bergische Miniaturen. Geschichte und Erfahrungen, hrsg. von Stephen Pielhoff, Essen 2010.

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